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Kunststoffe:Covestro will Krise hinter sich lassen

FILE PHOTO: The logo of German chemicals maker Covestro is pictured outside its headquarters in Leverkusen

Zentrale in Leverkusen: Covestro entstand 2015 als Abspaltung vom Bayer-Konzern. Seit 2018 ist die Firma selbst im Dax gelistet.

(Foto: Wolfgang Rattay/Reuters)

Der Konzern will mehr verdienen als vor der Pandemie - und eine höhere Dividende.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Als die Corona-Pandemie voriges Jahr die Welt lahmlegte, Industrien wie die Autobranche wochenlang stillstanden, sah es schlecht aus für Covestro: Der Dax-Konzern verkaufte weniger Kunststoffe zu niedrigeren Preisen, nach dem ersten Halbjahr stand ein Verlust. Insofern spricht es für die Erholung weiter Teile der Industrie, wenn Covestro-Chef Markus Steilemann nun Bilanz zieht und sagt: "Wir sind erfolgreich durch dieses Jahr gesteuert."

Zwar meldet die frühere Bayer-Tochterfirma für 2020 einen gut 13 Prozent niedrigeren Umsatz als im Vorjahr. Doch unter dem Strich steht ein Gewinn von knapp 460 Millionen Euro. Und im neuen Jahr will Covestro wenigstens die Krisenstimmung möglichst hinter sich lassen: "Im Jahr 2021 wollen wir das Vor-Krisen-Niveau des Jahres 2019 übertreffen", sagt Finanzvorstand Thomas Toepfer. Daher sollen die Aktionäre bald eine Dividende von 1,30 Euro je Anteilsschein erhalten - zehn Cent mehr als zuletzt.

Ist das vertretbar nach einem Jahr, in dem die gut 16 000 Beschäftigten des Konzerns monatelang weniger arbeiten und auf einige Prozent ihrer Gehälter verzichten mussten? Ja, sagt zumindest Toepfer, auch weil Covestro die zeitweise eingesparten Gehaltsbestandteile im Dezember als einmaligen Bonus an die Beschäftigten zurückgezahlt habe.

Die Leverkusener stellen Kunststoffe und Schaumstoffe her, die beispielsweise in Matratzen, Gebäudedämmungen oder Scheinwerfern stecken. Neben der Autoindustrie beliefert Covestro etwa auch die Bau- oder Elektronikbranche. Die Produktion basiert zwar noch "zu weit mehr als 90 Prozent" auf fossilen Rohstoffen wie Öl oder Gas, gesteht Vorstandschef Steilemann. Sein Unternehmen wolle aber mehr und mehr klimaschonende Ressourcen, erneuerbare Energieträger sowie Recycling-Technologien einsetzen.

Covestro war 2015 entstanden, als der Bayer-Konzern das Geschäft in die neue Tochter auslagerte und an die Börse brachte. Bayer hat sich seitdem auf Medikamente und die Agrochemie konzentriert. Zu Beginn der Corona-Krise war eine Covestro-Aktie zwischenzeitlich nur noch 26 Euro wert; die Firma galt schon als Übernahmekandidat. Stattdessen hat Covestro vorigen Herbst angekündigt, dem niederländischen Konkurrenten DSM das Geschäft mit Beschichtungsharzen für gut 1,6 Milliarden Euro abzukaufen. Diese Kunststoffe stecken beispielsweise auf Solarzellen oder Glasfaserkabeln. Covestro erwartet, dass Wettbewerbsbehörden die Übernahme im März freigeben dürften.

Wie die Nachfrage nach Kunststoffen hat sich mittlerweile auch der Aktienkurs der Leverkusener vom Krisentief erholt: Er stieg am Dienstag zeitweise um drei Prozent, auf gut 62 Euro.

© SZ vom 24.02.2021
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