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Künstliche Intelligenz:Nix da mit Terminator

Die künstliche Intelligenz kommt nicht mit einem großen Schlag. Der Weg dahin hat längst begonnen. Bei manchen Dingen hapert es aber noch.

Nein, nein und noch mal nein: Die künstliche Intelligenz wird uns nicht in Gestalt eines arnold-schwarzeneggeresken Roboters entgegentreten, der das Lächeln lernen muss und flotte Sprüche à la hasta la vista, Baby. Es wird nicht ein Ding aus der Zukunft kommen, und es wird auch niemand einen Schalter umlegen und - zack - springt ein vernunftbegabtes künstliches Wesen aus dem Labor.

Der Weg zur künstlichen Intelligenz ist ein gradueller - und er hat längst begonnen. Vieles im täglichen Leben wird bereits von künstlicher Intelligenz angetrieben. Zum Beispiel die erstaunlich gut gewordenen Fähigkeiten von Handys oder vernetzten Lautsprechern, Sprache zu erkennen. Die kleinen Geräte setzen (mit Unterstützung aus den Rechenzentren der Hersteller) mit hoher Treffsicherheit in elektronischen Text um, was wir ihnen gesagt haben. Wo es noch hapert: Den Sinn dahinter zu verstehen.

Das merkt man auch, wenn man ansieht, was Übersetzungssysteme heute leisten. Für Sachtexte funktionieren sie bereits sehr brauchbar, doch geht es um anspruchsvollere Texte, kommen sie wegen allerlei Mehrdeutigkeiten, wegen merkwürdiger Satzstellungen und vieler anderer Dinge schnell aus dem Tritt und produzieren Texte, die zum Lachen taugen, aber nicht als Übersetzung.

Auch in der Arbeitswelt halten KI-gestützte Systeme mehr und mehr Einzug. Robotic Process Automation ist sicher nicht das, was man sich als Sci-Fi-verwöhnter Mensch unter KI vorstellt. Aber dass lernfähige Software es Menschen abnimmt, Formulare auszufüllen und ähnliche dröge Aufgaben, kann schon dabei helfen, die Arbeitswelt etwas weniger langweilig zu gestalten. Was nämlich die Menschen dann zu tun haben, etwa mit Kunden zu sprechen, schwierige Fälle zu bearbeiten, bei denen es auch Eigenschaften wie Empathie braucht, werden Maschinen so schnell nicht erlernen. Und das muss nicht schlecht sein.

© SZ vom 31.12.2019 / Helmut Martin-Jung

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