Kündigung von Betriebsräten Kritiker werfen ihm Psychodruck und Mobbing vor

Naujoks' Einsatz sei nicht nur erfolglos, sondern ein Schaden für die Firma gewesen, bilanziert Breu rückblickend, der innerbetriebliche Konflikt sei dadurch nur "weiter eskaliert". Auch in einem anderen Fall, dem einer fränkischen Großbäckerei, kam es 2014 erst zu Einigungen, als die Firma Naujoks vom Verhandlungstisch zurückpfiff. Der rühmt sich auf seiner Internetseite, viele "zum Teil erbittert geführten Auseinandersetzungen" "im Sinne der Arbeitgeber" beigelegt zu haben.

Klaus Hennemann, bis zu seiner Pensionierung Vorsitzender Richter am Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, erinnert sich an einen "bizarren" Auftritt von Naujoks vor Gericht. Und daran, dass er dessen Antrag zurückgewiesen und für die Begründung der richterlichen Entscheidung selbst nach sorgfältiger Prüfung eine Seite mit einem Satz ausgereicht habe.

Dessen Kritiker wie Hans-Martin Wischnath von der DGB-Rechtsschutzsparte sagen, die Methode Naujoks gründe sich weniger auf juristische Finesse als auf Psychodruck und Mobbing. Er überziehe vermeintlich unkündbare Mitarbeiter, zu denen neben Betriebsräten hierzulande auch Schwerbehinderte oder Schwangere gehören, mit Kündigungen und Klagen im Akkord. "Juristisch sind sie meist völlig unhaltbar", sagt Wischnath. Die schiere Menge und die nicht selten bizarre Höhe finanzieller Forderungen an einfache Arbeiter oder Angestellte ziele darauf, sie zu zermürben und zum Aufgeben zu bringen.

In Video-Clips inszeniert er sich als Teil einer Elite

Erstmals fiel Helmut Naujoks, Jahrgang 1967, mit seinen ganz speziellen Methoden zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts als Arbeitgebervertreter beim Kabelnetzbetreiber Kabel BW und der Volksbank Ludwigsburg auf. Binnen kürzester Zeit eskalierten dort die Konflikte. Damals veröffentlichte Naujoks auch seine Bücher "Die Kündigung von Unkündbaren" und "Schwarzbuch Betriebsrat". So verheerend öffentliche Reaktionen auf sein Tun seither bisweilen ausfallen - Naujoks brachte es zu gewisser Prominenz und Talkshow-Präsenz. Die Anfeindungen waren, wenn man so will, beste Werbung für ihn. Und sein Geschäftsmodell, das augenscheinlich gut funktioniert.

Der "Duisburger Anwalt", wie es anfangs oft hieß, hat die unspektakuläre Ruhrgebietsstadt längst verlassen und residiert in guten Adressen in Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt. Mutmaßlich ertragreich waren seine Seminare für Personalmanager. In Video-Clips inszeniert er sich als Teil einer Elite nur ganz weniger Anwälte, "die konsequent und ausschließlich Arbeitgeberinteressen vertreten". Als Undercover-Reporter Günter Wallraff sich in der Rolle eines Unternehmers bei Naujoks einschlich, ließ der ihn wissen: "Mein Ziel ist es, dass Betriebsräte das Unternehmen verlassen. Davon lebe ich." So stieg er zum bekanntesten Protagonisten einer wachsenden Szene von Arbeitsrechtlern auf, die scheinbar kaum Zurückhaltung kennen.

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Als Unternehmer übrigens hat sich Naujoks auch versucht, auf unvermutetem Terrain. Er startete ein Internetportal, das sich von Frauen über Promis bis Sport mit allem möglichen beschäftigt. Die Seite gibt es noch. Im Impressum steht ein anderer Name. Die Adresse ist jene von Naujoks Kanzlei.