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KTG Agrar:Die  Show geht weiter

Siegfried Hofreiter und andere ehemalige Manager der pleitegegangenen KTG Agrar einigen sich mit dem Insolvenzverwalter.

Man kann zumindest sagen, dass im Leben des Siegfried Hofreiter bislang ganz schön was los war. An diesem Donnerstag vor dem Hamburger Landgericht aber passierte gar nichts - und das war für Hofreiter, 57, eine verdammt gute Nachricht.

Siegfried Hofreiter war mal der Chef von KTG Agrar, eines zwischenzeitlich riesigen Landwirtschaftsunternehmens. KTG Agrar bewirtschaftete 46 000 Hektar Land - eine Fläche, größer als die Stadt Köln. Das Unternehmen war an der Börse notiert, der Gründer Hofreiter bezeichnetet sich selbst gern als "modernen Cowboy". Es gab einen schnittigen Werbespruch ("Wir ackern fürs Leben") und viel mediale Aufmerksamkeit. KTG Agrar, das war die große Siegfried-Hofreiter-Show.

Aber es ist nicht so, dass Hofreiter ein Liebling der Öffentlichkeit gewesen wäre, im Gegenteil. Seit dem Börsengang von KTG Agrar gab es immer auch Zweifel: am Geschäftsmodell zum Beispiel, das ja auch von Agrarsubventionen abhängig war. Aber auch am Unternehmensgründer selbst. Trotzdem haben viele Menschen ihr Geld in das Unternehmen investiert. Im Jahr 2016 meldete KTG Agrar Insolvenz an, Anleihezinsen konnten nicht ausgezahlt werden.

Seither stehen viele Fragen im Raum, eine der wichtigsten lautet, ob die KTG-Manager rund um den Cowboy Hofreiter nicht schon viel früher hätten Insolvenz anmelden müssen. Der Insolvenzverwalter jedenfalls vertrat diesen Standpunkt und verklagte mehrere ehemalige Manager der KTG Agrar vor dem Hamburger Landgericht. 189 Millionen Euro forderte er von Hofreiter und sieben anderen früheren Vorständen und Aufsichtsräten. Für Donnerstagmorgen war das Urteil des Gerichts erwartet worden. Doch die Urteilsverkündung fiel aus: Kläger und Beklagte einigten sich kurz zuvor auf einen Vergleich.

Über die genauen Konditionen der Vereinbarung sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus. Er rechne im Lauf des andauernden Insolvenzverfahrens aber noch mit "Massezuflüssen, die für die Gläubigerbefriedigung Relevanz haben werden". Im Insolvenzverfahren waren bei KTG Agrar 600 Millionen Euro Gesamtschulden aufgedeckt worden, bei insgesamt etwa 10 000 Gläubigern. Die hatten bereits im Oktober 2016 für die Abwicklung von KTG Agrar gestimmt, große Teile übernahm die Gustav-Zech-Stiftung aus Bremen.

Die Pleite von KTG Agrar war nicht der erste Rückschlag im Leben von Siegfried Hofreiter. Zuvor soll er sich bereits an einem Unternehmen für Fahrradbau, einer Chinchilla-Zucht und einem Getränkevertrieb versucht haben. 2002 wurde er wegen Insolvenzverschleppung verurteilt - auch da ging es um die Pleite eines Agrarbetriebs. Hofreiter blieb damals nicht untätig, obwohl er nach der Verurteilung fünf Jahre lang keine Funktion in einer Kapitalgesellschaft hätte einnehmen dürfen. Er besetzte nach der Verurteilung die Positionen bei der bereits gegründeten KTG Agrar mit Vertrauten. Auch jetzt soll er im Agrargeschäft bereits wieder im Hintergrund wirken - dabei ist die Pleite von KTG Agrar längst nicht ausgestanden. Bei der Staatsanwaltschaft Hamburg ist ein Verfahren gegen "einen größeren Personenkreis" anhängig. Mit den Ermittlungen sei derzeit das Landeskriminalamt beschäftigt. Die Entscheidung über eine Anklageerhebung wird in den nächsten Monaten erwartet. Sicher ist: Die Show geht weiter, so oder so.