Bitcoin Der Anfang vom Ende?

So sieht eine Bitfarm, eine "Bitcoin-Fabrik", aus. Solche Bitfarms verbauchen immer noch unheimlich viel Strom. Umso weniger Bitfarms, desto besser für die Umwelt.

(Foto: AFP)

Der Preis des Bitcoin ist im vergangenen Jahr immer weiter gesunken. Viele kleine Schürfer mussten aufgeben und die Rechenleistung des Netzwerkes fällt.

Von Victor Gojdka

Seit kurzem schreckt das Wort "Krypto-Winter" die Bitcoin-Investoren auf: grau, kalt und hart dürften die kommenden Monate werden, fürchten viele. Denn seit Mitte November ist nicht nur der Preis der Krypto-Währung um mehr als 30 Prozent abgestürzt. Nun springen auch noch viele Bitcoin-Schürfer ab, die dem dahinterstehenden Blockchain-Netzwerk lebensnotwendige Rechenleistung zur Verfügung stellen. Ohne Schürfer geht in der Krypto-Welt gar nichts. "Das Bitcoin-Rückgrat ist in diesen Tagen äußerst fragil", sagt Timo Emden von Emden Research. Manch verunsicherter Anleger fragt sich bereits: Bricht nun das Netzwerk zusammen?

Wer verstehen will, was hinter den Kulissen der Szene vorgeht, sollte in die chinesische Provinz Xinjiang schauen. Dort haben Krypto-Magnaten in Fabrikhallen ganze Rechnerparks installiert, die dem Bitcoin-Netzwerk ihre Rechenleistung zur Verfügung stellen. Um Bitcoin-Überweisungen zu bestätigen, lösen ihre Rechner komplizierte Rechenaufgaben, als Belohnung bekommen die Schürfer Bitcoin überwiesen. Der Haken: Die Krypto-Industriellen müssen Rechner kaufen, oft horrende Stromrechnungen bezahlen und Lagerhallen mieten. Bei den aktuell niedrigen Kursen scheint sich das für manche kaum mehr zu lohnen. Vor allem in China sollen deshalb Schätzungen zufolge bereits 600 000 bis 800 000 kleinere Schürfer aufgegeben haben - ein Massenexodus. Statistiken des Datendienstes Blockchain.com zufolge ist die Rechenleistung im Bitcoin-Netzwerk seit Anfang des Monats um 20 Prozent nach unten geschnellt.

Manche Anleger zittern bereits. Mit weniger Rechenleistung im Hintergrund brauchen Überweisungen länger, bis das Netzwerk sie verdaut. Experten jedoch geben Entwarnung: "Längst nicht alle Bitcoin-Überweisungen laufen überhaupt über die Blockchain", sagt Florian Glaser vom Karlsruher Institut für Technologie. Wenn Nutzer beispielsweise auf einer Bitcoin-Börse im Netz Digitalmünzen an andere Börsenkunden verkaufen, verrechnet die Börse das meist intern. Selbst im eigentlichen Bitcoin-Netzwerk dürfte die Schwächephase nur kurz währen. Geben viele Schürfer auf, wird es für die restlichen Schürfer schon nach zwei Wochen einfacher, Transaktionen zu bestätigen. "Dieser Effekt sollte bald greifen", sagt Glaser.

Die Umwelt schließlich dürfte sich auch freuen, denn die Rechnerparks der Schürfer verbrauchen Unmengen an Strom. Statt der bislang geschätzten 73 Terawattstunden sollte das Bitcoin-Netzwerk dieses Jahr laut Prognosen lediglich noch 53 Terawattstunden verbrauchen. In Ländern gerechnet hieße das: Bitcoin verbraucht nicht mehr so viel Strom wie Österreich, sondern nur so viel wie Bangladesch.

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