Kryptowährungen:Der Hamster-Broker ist tot

Kryptowährungen: Andere Hamster strampeln im Rad bloß, Mr. Goxx wählte Kryptowährungen aus. Kaufen oder verkaufen, darüber stimmte er mit den Füßen ab.

Andere Hamster strampeln im Rad bloß, Mr. Goxx wählte Kryptowährungen aus. Kaufen oder verkaufen, darüber stimmte er mit den Füßen ab.

(Foto: Youtube)

Mit einem Nagetier warnten zwei Männer davor, ahnungslos in Kryptowährungen zu investieren. Nun ist der Hamster Mr. Goxx verstorben.

Von Philipp Bovermann

Als Mr. Goxx am vergangenen Montag sein Büro verließ, hatte er noch keinen Trade gemacht. Er hatte an diesem Tag weder Kryptowährungen gekauft noch verkauft, und obwohl Mr. Goxx ein Hamster ist, war das für ihn durchaus ungewöhnlich. Es ging ihm schon nicht mehr gut. Am Sonntag hatte er noch normal gefressen, dann aber plötzlich das Futter verweigert. Tags darauf schlief er friedlich ein, für immer.

Was wird von Mr. Goxx bleiben? Zunächst einmal eine beachtliche Bilanz. Seit er im Juni dieses Jahres mit 326 Euro in den Handel mit Kryptowährungen eingestiegen war, hatte er ein Plus von 19,7 Prozent erzielt. Der Dax verlor im selben Zeitraum 1,2 Prozent. Die Geschichte von Mr. Goxx scheint auf den ersten Blick die Versprechungen einzulösen, mit denen einige Fans von Kryptowährungen hausieren gehen: Jeder könne es schaffen, damit reich zu werden.

Tatsächlich, das zeigt die wundersame Geldvermehrung im Hamsterkäfig, muss man dafür keine Ahnung von digitaler Verschlüsselungstechnologie haben. Man muss nicht einmal das Konzept von Geld durchdrungen haben. Mr. Goxx' Tätigkeit in seinem "Büro", wie seine anonymen Besitzer den Käfig nannten, sah so aus, dass das Tier ein Hamsterrad drehte und damit eine Kryptowährung auswählte; anschließend rannte er durch einen von zwei Tunneln: "Kaufen" und "Verkaufen.

Das Lebenswerk von Mr. Goxx hält mehrere mögliche Lektionen für die Nachwelt bereit. Vielleicht hatte der Ökonom Burton Malkiel doch recht, als er schrieb, ein Affe mit verbundenen Augen, der Dartpfeile auf den Börsenteil der Zeitung werfe, könne ein ebenso gutes Portfolio zusammenstellen wie ein Börsenprofi. Vielleicht gibt es aber auch ein höheres Wesen im Himmel, das seine schützende Hand über besonders putzige Investoren hält. Die letzte Entscheidung von Mr. Goxx jedenfalls war keine schlechte. Vergangenen Samstag verkaufte er 3229,4 Einheiten der Kryptowährung Tron - in der Woche darauf brach diese um fast zehn Prozent ein.

Mr. Goxx wuchs im niedersächsischen Hademstorf auf, seine Besitzer sind zwei Männer in ihren Dreißigern. "Es scheint so, als ob die meisten Leute unserer Generation keine andere Chance sehen, als eine Menge ihrer Ersparnisse auf den Kryptomarkt zu werfen, ohne eine Ahnung davon zu haben", sagten sie der BBC. Sie dokumentierten das Trading per Livestream und auf Twitter, stets mit dem Hinweis, dass man sich bei der Geldanlage nicht von den Entscheidungen eines Hamsters leiten lassen sollte. Nun, als Nachruf, schrieben sie: "Mr. Goxx hat Menschen auf der ganzen Welt Freude gebracht. Er hat uns daran erinnert, das Leben nicht zu ernst zu nehmen."

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