Mutmaßlicher Krypto-Betrug:Chef von türkischer Krypto-Plattform in Albanien festgenommen

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Mutmaßlicher Krypto-Betrug: Der flüchtige Krypto-Gründer im April 2021 am Flughafen in Istanbul, aufgenommen von einer Überwachungskamera.

Der flüchtige Krypto-Gründer im April 2021 am Flughafen in Istanbul, aufgenommen von einer Überwachungskamera.

(Foto: HANDOUT/AFP)

Im April 2021 setzte sich der Gründer der Plattform Thodex mutmaßlich mit dem Geld Hunderttausender Anleger nach Albanien ab. Jetzt wurde er dort gefasst.

Von Max Muth

Über ein Jahr nach einem mutmaßlichen Anlegerbetrug in Milliardenhöhe ist der Chef der türkischen Kryptowährungs-Handelsplattform Thodex in Albanien gefasst worden. Das berichten albanische und türkische Medien. Der 28-jährige Faruk Fatih Özer war Gründer und CEO der Plattform, auf der Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Dogecoin gehandelt werden konnten. Die Börse war türkischen Medienberichten zufolge 2021 die drittgrößte derartige Plattform in der Türkei mit rund 400 000 Kunden. Am 20. April 2021 war Özer nach Betrugsvorwürfen gegen ihn und seine Plattform aus Istanbul nach Albanien geflohen. Die türkische Staatsanwaltschaft hatte via Interpol um Mithilfe bei der Suche nach Özer gebeten. Er hat die Vorwürfe bestritten.

Mitte April 2021 hatten sich zunächst Besitzer der Kryptowährung Dogecoin beschwert, dass sie ihr Geld bei Thodex nicht mehr auszahlen lassen konnten. Das Unternehmen erklärte damals, man führe Wartungsarbeiten durch - der Zeitpunkt war jedoch bereits verdächtig. Die Digital-Währung hatte nur wenige Tage vorher das bisherige Allzeit-Hoch geknackt. Kurz darauf richtete Thodex plötzlich aus, man sei in Verhandlungen mit einem ausländischen Investor und habe alle Transaktionen auf der Plattform gestoppt, um eine Analyse durch den potenziellen Käufer zu erleichtern.

Aus dem Staub machen statt Wartungsarbeiten

Die türkische Staatsanwaltschaft glaubt, dass das nur Ablenkungsmanöver waren. Sie wirft Özer und 20 anderen Mitarbeitern schweren Betrug und die Bildung einer kriminellen Vereinigung vor. Kunden seien vorsätzlich getäuscht worden. Thodex habe mit türkischen Prominenten für sein Produkt geworben, um Kunden auf die Plattform zu locken und sie dort zu halten. Gleichzeitig habe das Unternehmen die Einlagen der Kunden auf andere Plattformen transferiert oder in Gold getauscht, was auf geplanten Betrug hindeutet. Ein solches Vorgehen ist in der Kryptowährungsszene als "Rug Pull" ("den Teppich wegziehen") oder "Exit Scam" bekannt. Dabei verschwinden die Betreiber einer Plattform mit den Einlagen der Nutzer. Oft werden Wartungsarbeiten oder Hackerangriffe als Begründung vorgeschoben, warum Auszahlungen eine Zeit lang nicht möglich sind.

Wie viel Geld die Plattform tatsächlich veruntreut hat, ist unklar. Die Analysefirma Chainalysis hatte im Februar von einer Schadenssumme von rund 2,6 Milliarden Dollar geschrieben. Der Anklage in der Türkei hatten sich jedoch nur rund 2000 der mutmaßlich 400 000 Opfer angeschlossen. Diese hatten der Staatsanwaltschaft zufolge zusammen 356 Millionen türkische Lira auf der Plattform angelegt, das wären derzeit rund 20 Millionen Euro.

Wie viele Länder hatte auch die Türkei zwischen 2020 und 2021 einen Krypto-Boom erlebt. In der Woche vor der Flucht des Thodex-Gründers hatte das Handelsvolumen auf türkischen Krypto-Plattformen einem Bloomberg-Bericht zufolge mehr als ein Drittel des Handelsvolumens mit Aktien erreicht. Viele Türkinnen und Türken wollten sich mit dem Investment auch gegen die starke Inflation absichern. Die betrug zwischen 2018 und 2021 durchschnittlich rund 15 Prozent pro Jahr.

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