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BMW-Vorstandschef:Der Vermittler tritt ab

Harald Krüger

Harald Krüger ist seit etwa vier Jahren BMW-Chef. Jetzt möchte er sich umorientieren, wie er sagt.

(Foto: dpa)
  • Harald Krüger, Vorstandsvorsitzender von BMW, kündigte an, seinen Vertrag im April 2020 auslaufen zu lassen.
  • Schon in den vergangenen Jahren war immer wieder Kritik an Krüger laut geworden, er sei zu weich für das Amt.
  • Wer sein Nachfolger wird, wird auf der nächsten Aufsichtsratssitzung Mitte des Monats verkündet werden. Im Gespräch sind der bisherige Forschungschef Klaus Fröhlich und der bisherige Produktionsvorstand Oliver Zipse.

Das Gerede um einen Führungswechsel wurde in den vergangenen Wochen immer lauter bei BMW, jetzt ist es entschieden: Der bisher Vorstandsvorsitzende Harald Krüger, 53, wird sich alsbald von seinem Posten zurückziehen. Am Freitagmittag versandte er per Intranet einen Brief an die Mitarbeiter: "Heute ist für mich kein gewöhnlicher Tag", schreibt Krüger. "Ich habe soeben Herrn Dr. Reithofer als Vorsitzenden des Aufsichtsrats darüber informiert, dass ich nicht für eine weitere Amtszeit als Vorsitzender des Vorstands der BMW AG zur Verfügung stehe." Es sei ihm stets eine Ehre gewesen, in dem Unternehmen zu arbeiten, aber wolle sich nun beruflich "neu orientieren".

Unter Krüger wandelte sich das Unternehmen noch stärker hin zu einem Mobilitätsunternehmen, auch der Absatz stieg auf Bestwerte, wenn auch mit Eintrübung in diesem Jahr - wie beim Großteil der Branche. Allerdings war Krüger von Anbeginn vorgeworfen worden, zu sehr auf Akzente zu setzen als auf die eigene große Linie, die mit starker Hand dirigiert wird. Seit einem Schwächeanfall auf der Autoshow IAA in Frankfurt im Herbst 2015 sind die Kritiker nie verstummt, die sagten: Krüger sei zu weich, zu nett und auch zu leise für dieses Amt. Zu sehr Vermittler zwischen Ideen und Interessen, zu wenig Wegweiser. Bei BMW schätzt man, wie wohl in allen Großorganisationen, eine klare Führungsfigur, die auch selbstbewusst nach außen auftritt, der die Arbeiter und Ingenieure und Verwaltungsmitarbeiter nachfolgen. Krüger nahm die Kritik wahr und vermied in den vergangenen Monaten bei Nachfragen immer wieder ein Bekenntnis, weitermachen zu wollen.

Oliver Zipse könnte Nachfolger werden - doch noch ist es offen

Wie alle traditionellen Hersteller steckt auch BMW in einer großen Anspannung zwischen neuen Antriebsformen (Elektro), neuen Wettbewerbern, die zum Teil aus ganz neuen Bereichen kommen (Tesla oder Google), und Technologien, die dereinst alle Fortbewegung revolutionieren könnten (Roboter und künstliche Intelligenz). Bei den Antrieben hatte BMW unter Krüger den Mittelweg gewählt: Die neuen, aber auch die alten, weil die Kundenwünsche so unterschiedlich sind und weil man auch mit den etablierten Antriebsformen viel Geld verdient.

Der künftige Vorstandsvorsitzende wird diesen vielgestaltigen Weg aller Voraussicht nach weitergehen, aber vielleicht doch stärker den Fokus setzen. Es wird im Unternehmen angenommen, dass das Rennen unter dem bisherigen Forschungschef Klaus Fröhlich und dem bisherigen Produktionsvorstand Oliver Zipse entschieden wird. Die relevanten Diskutanten sind klar: Aufsichtsratschef Norbert Reithofer, Betriebsratschef Manfred Schoch und Stefan Quandt als Großaktionär. Der Zeitplan dazu steht: Auf der nächsten Aufsichtsratssitzung, die Mitte des Monats im US-Werk Spartanburg stattfindet, wird die Entscheidung verkündet werden.

Es gibt mehr Stimmen, die auf Zipse setzen, weil er etwas jünger ist und eher aus dem betriebswirtschaftlichen Bereich kommt anstatt aus dem rein technologischen wie Fröhlich. Beide wollen den Posten auch haben, das bestreitet keiner in ihrem Umfeld. Aber ganz entschieden scheint die Sache noch nicht. Bei BMW erinnern sie auch an die 90er Jahre. Wolfgang Reitzle sollte damals berufen werden als Vorstandschef, dann ging der Aufsichtsrat in Klausur - und heraus kam Bernd Pischetsrieder.

© SZ.de/lüü/vwu/cat
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Von Claus Hulverscheidt

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