bedeckt München 16°

Kriterien und Rangfolge:Wie die Auswertung funktioniert

Um herauszufinden, wer der beste Prognostiker des Jahres ist, wurden - wie in jedem Jahr seit 2002 - mehr als 50 Vorhersagen wichtiger Wirtschaftsorganisationen ausgewertet.

Von Thomas Fricke

Auswahl: Wer hat am besten vorhergesagt, wie gut die Konjunktur in Deutschland läuft? Wie in jedem Jahr seit 2002 wurden mehr als 50 Prognosen von Forschungsinstituten, Banken und Organisationen sowie von Regierung und der Bundesbank ausgewertet. Berücksichtigt wurden dabei die jeweils letzten Vorhersagen vom Ende des Vorjahres für das laufende Jahr. Als einzige Vorhersage aus dem Januar wird der Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung berücksichtigt. Die Prognosen wurden diesmal dann mit der tatsächlichen Entwicklung der Wirtschaftsleistung 2015 verglichen. Die Rangliste wird erstellt vom Internetportal Wirtschaftswunder.

Kriterien: Wichtigster Maßstab für die Treffgenauigkeit ist, wie gut die Experten den Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) vorausgesagt haben. In diesem Jahr lag das Plus nach Schätzungen von Bundesbank und anderen Experten bei 1,7 Prozent. Um mögliche Schätzungenauigkeiten aufzufangen, wurden alle Prognosen als richtig bewertet, die bei 1,6 bis 1,8 Prozent lagen. Danach wurde berücksichtigt, wie gut die Experten einzelne Ausgaben vorhergesagt haben, die zum BIP beitragen - den Konsum, die Investitionen in Ausrüstungen und den Export von Waren und Dienstleistungen. Wurde die Entwicklung innerhalb einer festgelegten Marge richtig gesehen, wird dies als Treffer gezählt (grün). Zudem wurde berechnet, um wie viel die Detailprognosen im Durchschnitt prozentual von der tatsächlichen Entwicklung abwichen.

Rangfolge: Wie schon in den Vorjahren gilt, dass die Prognostiker alles in allem besser vorhergesagt haben, als es ihnen oft nachgesagt wird. So lagen 32 der insgesamt berücksichtigten 50 Vorhersagen mit ihrer BIP-Prognose um weniger als einen halben Prozentpunkt unterhalb von 1,7 Prozent. Immerhin zwölf blieben nur einen Zehntel unter der Spanne von 1,6 bis 1,8 Prozent. Um die Besten von den Guten zu trennen, wurde in der letzten Runde berücksichtigt, wie gut die Ökonomen die Entwicklung von Konsum, Export und Investitionen erahnten. Hier lagen am Ende drei Experten bemerkenswert klar vorne.

Langzeit: Die Treffgenauigkeit von Prognosen wird auch von Zufällen beeinflusst, von schwer vorhersehbaren Ereignissen wie etwa Turbulenzen an Finanz- und Rohstoffmärkten. Das trägt dazu bei, dass Prognostiker von einem Jahr zum anderen auch einmal sehr unterschiedlich abschneiden können. Über viele Jahre hat sich bei der Auswertung zum Prognostiker des Jahres allerdings gezeigt, dass es Konjunkturexperten gibt, die sehr regelmäßig die oberen Plätze der Rangliste belegen. An der Spitze der Langzeitwertung steht dieses Jahr Carsten Klude, Chefvolkswirt bei MM Warburg. Auf den hinteren Plätzen landen etwa der Internationale Währungsfonds und der EU-Kommission.

© SZ vom 17.12.2015
Zur SZ-Startseite