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Krisenstrategie:IWF entschuldigt sich ein bisschen bei Griechenland

Yiorgos, a 40-year-old who became homeless in 2010 after his grocery shop went out of business, sleeps outdoors in central Athens

Athen: Der 40-jährige Yiorgos musste 2010 seinen Lebensmittelladen schließen - seitdem ist er obdachlos.

(Foto: REUTERS)

Haben die Milliardenkredite des Internationalen Währungsfonds Griechenland geholfen? Der Fonds zieht eine selbstkritische Bilanz - und sieht aber auch Schuld in Athen. Die EU-Kommission will von der Kritik des IWF jedoch nichts hören.

Noch nie hat ein Land, im Verhältnis zu seiner Größe, so viel Geld vom Internationalen Währungsfonds (IWF) bekommen, wie Griechenland: 47 Milliarden Dollar. Und: Noch nie hat der Fonds die Grenzen seines Auftrages so sehr gedehnt. So schwer die Krise in Griechenland auch sein mag, Griechenland ist immer noch Teil der Europäischen Währungsunion, einem der reichsten Wirtschaftsblöcke der Welt. Und Athen leidet auch nicht unter einer Währungskrise; das Land ist dem Euro beigetreten, der seit Ausbruch der Krise vergleichsweise stabil ist.

Eigentlich wäre der IWF also gar nicht zuständig gewesen.

Trotzdem wurde im Mai 2010 das Hilfsprogramm zusammen mit der EU beschlossen. Erstens weil die Europäer immer noch ein Machtfaktor im IWF sind und zweitens weil alle Beteiligten, vermutlich zu Recht, fürchteten, ein Staatsbankrott Griechenlands könnte die fragile Weltwirtschaft in eine neue, schwere Rezession stürzen.

Und das Ergebnis?v

Griechenland hat drei Jahre nach Start des Engagements von IWF, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) eine Wirtschaftskrise wie Deutschland am Ende der Weimarer Republik: Die Wirtschaft schrumpft mit einer Jahresrate von -6,4 Prozent, mehr als ein Viertel (genau 26,8 Prozent) der arbeitsfähigen Bevölkerung ist ohne Beschäftigung, fast zwei Drittel (64 Prozent) der Jugendlichen sind ohne Job. Angesichts solcher Zahlen ist es zwingend, dass alle Beteiligten Bilanz ziehen. War diese Wirtschaftskatastrophe wirklich notwendig, um die Schuldenkrise einzudämmen? Was ist schief gelaufen? Welche Korrekturen sind notwendig?

"IWF gibt Fehler zu" - zugespitzt, aber nicht ganz falsch

Mit der Selbstkritik begonnen hat nun der IWF, vermutlich nicht ganz freiwillig. Zwei Berichte des Fonds, die eigentlich erst an diesem Donnerstag hätten veröffentlicht werden sollten, wurden vorab einigen Medien zugespielt. Die Artikel erschienen rund um den Globus unter der Schlagzeile: "IWF gibt Fehler zu." Das ist zugespitzt (die Selbstkritik des Fonds ist nur für Fachleute erkennbar), aber auch nicht ganz falsch. Auf jeden Fall hat jetzt eine längst überfällige Diskussion über Fehler und Erfolge der Rettungsmaßnahmen begonnen.

Der Chef der Griechenland-Mission des IWF, Poul Thomsen, stellte sich in einer Telefonkonferenz den Journalisten und räumte dabei ein, dass die Experten des Fonds anfangs von zu optimistische Annahmen ausgegangen wären. Schuld daran seien allerdings vor allem "die begrenzten administrativen Kapazitäten Griechenlands. Ein Fehler sei gewesen, dass man zulange geglaubt habe, Athen komme ohne einen Schuldenschnitt aus. Als dann 2011 klargeworden sei, dass die Last für Athen untragbar werden würde, habe es ein Jahr lang gedauert, bis man die privaten Gläubiger zu einem Forderungsverzicht gezwungen habe. "Es wäre wünschenswert gewesen, wenn das schon früher passiert wäre", sagte Thomsen. Dies galt den Europäern, die so lange brauchten, sich auf eine Strategie zu verständigen.