Krisenflieger A400M"Vertragstreue ist keine romantische Phrase"

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Jetzt reicht's: Deutschland und Frankreich lassen sich die ewigen Verzögerungen beim Krisenflieger A400M nicht mehr gefallen - der EADS-Konzern soll die Zeche zahlen.

Die Geschichte des Militärfliegers A400M ist eine Geschichte voller Verzögerungen und leerer Versprechen. Der Airbus-Hersteller EADS schafft es einfach nicht, den Transport-Jet fertigzustellen. Für all jene Länder, die fest mit der Lieferung des A400M rechnen, ist das eine mittlere Katastrophe.

Computersimulation des Airbus-MilitärfliegersA400M. Mit einer gemeinsamen Position erhöhen Deutschland und Frankreich den Druck auf den Airbus-Hersteller EADS.
Computersimulation des Airbus-MilitärfliegersA400M. Mit einer gemeinsamen Position erhöhen Deutschland und Frankreich den Druck auf den Airbus-Hersteller EADS. Foto: ddp

Nun haben sich die beiden Großkunden Deutschland und Frankreich zusammengetan und eine Geste der Demut eingefordert. Die Nachbarstaaten seien sich einig, dass Abmachungen eingehalten werden müssten sagte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nach Gesprächen mit seinem französischen Kollegen Hervé Morin. Er erwarte jetzt ein Zeichen des Entgegenkommens vom Airbus-Konzern. "Und dass Vertragstreue nicht nur eine romantische Phrase ist."

An diesem Donnerstag treffen sich die Staatssekretäre der A400M-Länder in Berlin, um über die Zukunft des größten europäischen Rüstungsprojektes zu entscheiden. Frankreich, Deutschland und fünf andere Staaten haben gemeinsam bei EADS den Militärtransporter bestellt. Das erste Flugzeug sollte bereits im September 2009 an das französische Heer gehen. Wegen Entwicklungsproblemen wird jetzt eine Auslieferung der ersten Maschinen für 2013 ins Auge gefasst. Die Entwicklung kommt zudem erheblich teurer als geplant.

Bundeswehr größter Kunde

Guttenberg betonte, die Vertragstreue beziehe sich für ihn weniger auf den zeitlichen Rahmen, als vielmehr auf finanziellen. Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin sagte, EADS müsse noch "ein bisschen Flexibilität an den Tag legen".

Ursprünglich waren Morin und Guttenberg mit konträren Positionen in die Gespräche gegangen. Frankreich will das größte europäische Rüstungsprogramm retten, ohne Airbus zu schädigen. Deutschland will den Hersteller aber nicht aus der Verantwortung für Fehlplanungen entlassen. Wie EADS strebt auch Guttenberg bis zum Jahresende eine Einigung an. Die Bundeswehr ist mit 60 Maschinen größter A400M-Kunde. Im Gespräch ist eine Tranchenlösung, bei der zunächst eine kleinere Menge zu den vereinbarten Preisen geliefert würde und die Restmenge später zu höheren Preisen.

Airbus hatte sich mit dem Projekt übernommen. Rumpf, Avionik, und 11.000-PS-Triebwerk: Alles wurde völlig neu entwickelt. Der 20-Milliarden-Euro-Vertrag über 180 Flugzeuge sah einen Festpreis von 85 Millionen Euro für die Standardversion und bis zu 110 Millionen für Sonderversionen vor. Jetzt wird in der Branche gemunkelt, die A400M kostet bereits 145 Millionen Euro pro Stück und Airbus wolle darauf noch einen kräftigen Aufschlag. EADS hat wegen der Mehrkosten bereits mehr als 2,3 Milliarden Euro zurückgestellt. Würden die Partnerstaaten das Projekt kippen, müsste EADS ihnen 5,7 Milliarden Euro zurückzahlen.

© sueddeutsche.de/Reuters/dpa/tob - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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