Digitalisierung:Wie diese Manager die Welt besser machen wollen

Digitalisierung: Salesforce-Deutschlandchef Joachim Schreiner will kein Gute-Laune-Panda sein.

Salesforce-Deutschlandchef Joachim Schreiner will kein Gute-Laune-Panda sein.

(Foto: Friedrich Bungert/Friedrich Bungert)

Wohin man zur Zeit auch blickt, überall tauchen Probleme auf. Drei Firmenchefs berichten, wie sie ihren Optimismus behalten und wie digitale Technologie dabei helfen kann, die Krise zu überwinden.

Von Helmut Martin-Jung, Berlin

Kein Personal, teure Energie, Hacker-Angriffe: Es war schonmal einfacher, Unternehmen zu führen. Im Gespräch mit Journalisten der Süddeutschen Zeitung berichten drei Firmenchefs, wie sie mit den Krisen umgehen, warum digitale Technologien Teil der Lösung sind und manchmal schon eine Perspektivänderung helfen kann.

Joachim Schreiner, Salesforce

Joachim Schreiner registriert zunehmend Verzweiflung. Viele Unternehmen finden einfach nicht genug Personal. Schreiner ist Deutschlandchef von Salesforce, einer der führenden Anbieter von Unternehmenssoftware, und er findet, dass der Personalmangel in der Branche zum Teil hausgemacht sei. Es stört ihn, dass in den Stellenprofilen für IT-Berufe oft noch immer ein Studium gefordert wird. "Aber ihr Auto wird von Mechatronikern mit Hauptschulabschluss gewartet, die oft mehr Ahnung von IT haben als Studenten, die frisch von der Uni kommen." Für sein eigenes, schnell wachsendes Unternehmen geht Schreiner daher anders vor. Ein Studium muss nicht unbedingt sein, für Frauen gibt es ein Back-to-work-Programm, das den Wiedereinstieg nach der Babypause erleichtern soll.

Verkrustungen wie das Beharren auf einen Studienabschluss ärgern Schreiner, wie er überhaupt für seine Firma in Anspruch nimmt, dass sie sich immer wieder so verändert und anpasst, dass es nicht zu eingefahrenen Prozessen und - vor allem - zu eingefahrenem Denken kommt. "Ich trage noch immer meine Sneakers", sagt er und spielt damit auf das Stereotyp vom frischen Startup-Gründer an. Er frage immer, wenn man neue Prozesse einrichte, "macht man das dann so wie vor zehn Jahren?" Seine Antwort sollte klar sein.

Überhaupt könne der Weg nicht sein, es für den Software-Anbieter selbst so einfach wie möglich zu machen. Stattdessen müsse sich ein Unternehmer immer fragen: "Was ist die beste Innovation für den jeweiligen Kunden?" Innovation ist für den Manager sowieso der Schlüssel für fast alles. "Ja, wir haben eine Krise", sagt er, "aber die Technologie hat uns immer weitergeholfen."

Muss der Chef bei aller Krisen und Veränderungen eigentlich als Gute-Laune-Panda auftreten, um sein Team mitzureißen? Lieber nicht, findet Schreiner, "da macht man sich leicht zum Tanzbären und die Leute fragen, was hat der denn geraucht?" Er hält es lieber damit, Probleme offensiv anzugehen. Wobei man manches gar nicht unbedingt als Problem sehen müsse. Die europäischen Datenschutzregeln etwa, oft als Innovationshemmnis verschrien, sieht Schreiner eher als Chance. Auf der Welt gebe es schließlich viele Menschen, denen Datenschutz wie der der Europäer sehr wichtig sei. So könnte Regulierung zum weltweiten Marktvorteil werden.

Markus Haas, Chef von Telefónica Deutschland

Digitalisierung, na klar, das ist ein Prozess, der sich nicht isoliert in einem Land, in einer Weltregion vollzieht. Trotzdem: Die großen Plattformen wie Google, Meta, Tencent, Alibaba oder Amazon stammen bis auf wenige Ausnahmen nicht aus Europa oder gar aus Deutschland. Sondern aus den USA und aus China. Aber muss das so bleiben? Nein, findet Markus Haas. Der Jurist leitet die Geschäfte des spanischen Telekommunikationsunternehmens Telefónica in Deutschland. "Es war noch nie so einfach, eine Plattform zu gründen", sagt er. Damit meint er vor allem die technische Seite, um die sich seine Firma kümmert. Der Netzausbau komme gut voran.

Digitalisierung: Wirbt für neue digitale Plattformen in Europa: Telefónica-Deutschland-Chef Markus Haas.

Wirbt für neue digitale Plattformen in Europa: Telefónica-Deutschland-Chef Markus Haas.

(Foto: Friedrich Bungert/Friedrich Bungert)

Chancen sieht Haas vor allem im Metaverse, in diesem noch immer diffusen Versprechen auf eine Zukunft, in der sich reale und virtuelle Welt mischen, im Privaten wie auch in der Arbeitswelt. Das sei "das nächste große Ding", sagt er, so könnten beispielsweise Unternehmen Schulungen effektiver und effizienter abhalten als bislang. Doch dabei sei wichtig, dass diese neue Welt der Kommunikation für die Anwender transparent bleibe, vor allem was ihre Daten angeht und was damit angestellt werden darf oder auch nicht. Zudem müssten die europäischen Werte gewahrt bleiben, etwa wenn es um Hassrede geht. Hier klingt Haas ganz ähnlich wie Manager-Kollege Schreiner.

Was Telefónica wie die meisten Firmen hierzulande beschäftigt: die Energiekrise. Die Münchner überlegen zum Beispiel, wie sie in der Nacht die Netze so herunterschalten können, dass zwar noch Kommunikation möglich ist, aber nicht alle Frequenzen gleichermaßen auf voller Leistung betrieben werden. "Das könnte bis zu 25 Prozent des Stromverbrauchs einsparen", sagt Haas.

Sparen ist gerade auch bei vielen Verbrauchern ein Thema. Wo sich das jedoch nicht auswirkt - jedenfalls nicht bis jetzt - ist bei digitalen Endgeräten wie Smartphones. Der Trend, sagt Haas, gehe zu teureren Markengeräten mit großem Bildschirm und längerer Akkulebensdauer. "Das ist auch besser für die Nachhaltigkeit", weil die Geräte nicht mehr jedes Jahr oder alle zwei Jahre getauscht werden müssten.

Albrecht Kiel, Chef des Zentraleuropa-Geschäfts von Visa

Wieviel Bargeld er noch in der Tasche habe? Keine Ahnung, sagt Albrecht Kiel. "Ich reise seit Jahren nur noch mit iPhone und Ausweis", sagt der Chef des Zentraleuropa-Geschäfts von Visa. Visa, das Unternehmen kennt man vor allem wegen der Kreditkarten, die auch den Firmennamen tragen. Dabei sieht sich die weltweit operierende Firma vor allem als Technologieanbieter, um Zahlungen abzuwickeln. Und - fun fact - Visa gibt längst mehr sogenannte Debitkarten als Kreditkarten aus, bei denen das Geld direkt vom Konto abgebucht wird und nicht erst später eine Rechnung kommt. Und doch: Kiel will gar nicht, dass Bezahlen mit Bargeld völlig verschwindet, schon des gesunden Wettbewerbs wegen.

Digitalisierung: Hofft, dass das Bargeld nicht ganz verschwindet: Albrecht Kiel, Chef des Zentraleuropa-Geschäfts von Visa.

Hofft, dass das Bargeld nicht ganz verschwindet: Albrecht Kiel, Chef des Zentraleuropa-Geschäfts von Visa.

(Foto: Friedrich Bungert/Friedrich Bungert)

Den Siegeszug des elektronischen, inzwischen meist sogar kontaktlosen Bezahlens hält er allerdings für unabwendbar. Dies sei auch der Hauptgrund, warum es überhaupt noch physische Karten gebe: "Die sind das einzige anfassbare Produkt" in einer Welt, die ansonsten vollkommen virtuell ist. Bei unter 30-Jährigen würden heute bereits 33 Prozent aller Zahlungen weltweit über Mobilgeräte geleistet, sagt Kiel. 4,1 Milliarden virtuelle und physische Karten sind zurzeit im Umlauf. Wäre Visa ein Land, wäre es mit dem darüber abgewickelten Umsatz von 13 Billionen Dollar die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Und was ist das Wichtigste für einen Technologieanbieter wie Visa? Sicherheit. Die Zahlungen müssen geschützt sein, deshalb investiere man Milliarden in die IT-Sicherheit, "unsere Standards können kaum übertroffen werden", sagt er. Allein tausend Leute seien weltweit ausschließlich für Cybersicherheit zuständig.

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