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Nach Ende des Düngemittel-Kartells:Putins KGB-Kumpel zieht in Uralkali-Führung ein

Inside The OAO Uralkali Potash Mining Operations As Belarus Escalates The Potash War

Ein Arbeiter steht vor einem Berg Pottasche in einer Mine des Uralkali-Konzerns in Russland.

(Foto: Bloomberg)

Geld, Macht und Dünger: Sergej Schemesow arbeitete in der DDR beim KGB mit Wladimir Putin zusammen. Nun bestimmt er im Uralkali-Konzern mit. Der weltgrößte Kali-Produzent steht im Zentrum eines internationalen Rohstoff-Krimis.

Russland weitet seinen Einfluss auf den weltgrößten Kali-Produzenten Uralkali aus. Ein enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin aus gemeinsamen KGB-Zeiten in der DDR zieht in das neunköpfige Direktorium ein, gab das Unternehmen bekannt. Dabei handelt es sich um den Chef des russischen Staatskonzerns Rostec, Sergej Schemesow. Er gilt auch als aussichtsreichster Kandidat für die Führung des Gremiums, die möglichst bald gewählt werden soll. Kalisalze werden vor allem zu Düngemitteln verarbeitet.

Der Schritt könnte ein Zeichen des Kreml-Umfelds sein, dem wichtigen Unternehmen in der Krise beizustehen. Uralkali ist der zentrale Förderer von Mineraldünger und steht im Zentrum einer Branche, die durch das Aufbrechen des globalen Kali-Kartells vergangenen Sommer in Aufruhr ist. Uralkali wollte sein Kalisalz lieber ohne den bisherigen weißrussischen Partner Belaruskali verkaufen und kündigte das mächtige Bündnis auf. Im Sommer nahmen weißrussische Behörden daraufhin den damaligen Chef des Unternehmens, Wladislaw Baumgertner, fest - sie werfen Uralkalis Chefriege vor, das Kartell zum persönlichen Nutzen betrogen zu haben. Größter Anteilseigner an Uralkali ist Islam Kerimow, einer der reichsten Russen mit guten Kontakten zum Kreml.

Der neue starke Mann Schemesow arbeitete mit Putin zusammen in der 1980er Jahren für den russischen Geheimdienst KGB in der DDR. Er hat ein staatlich geführtes Industrie-Imperium aufgebaut, zu dem der weltgrößte Titan-Produzent, Russlands größter Autobauer und einer der global führenden Waffenexporteure gehören. Schemesow wurde für das Direktorium von der Investmentgesellschaft Onexim nominiert, die im vergangenen Jahr rund 27 Prozent an Uralkali erworben hatte.

Uralkali hatte 2013 einen Preisverfall auf dem Kali-Markt ausgelöst, als das Unternehmen das Exportkonsortium BPC mit dem weißrussischen Staatskonzern Belaruskali aufgekündigt hatte. Der 30. Juli gilt in der Branche als "schwarzer Dienstag". BPC und das nordamerikanische Pendant Canpotex beherrschten etwa 70 Prozent des Kali-Düngemittelmarktes und hatten dafür gesorgt, dass die Preise stets auf einem hohen Niveau blieben. Seit August verkauft Uralkali jedoch auf eigene Faust so viel wie möglich, weshalb die Preise spürbar sanken.

Dies bekam auch der deutsche Düngemittelkonzern K+S zu spüren. Der Betriebsgewinn ging wegen des Preisverfalls im vergangenen Jahr um 18 Prozent auf 656 Millionen Euro zurück. Auch für das laufende Jahr wird noch einmal mit einem deutlichen Minus gerechnet, dem Konzern droht gar der Ausschluss aus dem Dax.

© Süddeutsche.de/Reuters/infu

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