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Krise in Griechenland:Der Grexit

Michael Schröder vom Mannheimer ZEW-Institut hält es inzwischen für am wahrscheinlichsten, dass es zu einem Ausstieg der Griechen aus dem Euro kommt. "Vor ein paar Jahren hätte das noch ein Erdbeben ausgelöst", sagt der Forscher. "Inzwischen aber spielt Griechenland keine so große Rolle mehr." In Europa hat sich viel geändert: "Die Banken haben vieler ihrer Probleme bereinigt", sagt Schröder. "Und zwar nicht nur, was Kredite an Griechenland angeht, sondern auch andere Schwierigkeiten. Die Banken sind in den meisten Teilen Europas gesund". Dazu kommt nach der Einschätzung vieler Ökonomen, dass der wirtschaftliche Trend in allen anderen Krisenstaaten, die schmerzlicher und konsequenter reformiert haben als Griechenland, nach oben zeigt: Ob in Spanien, Irland oder Portugal.

Und dann ist da noch, was die Analysten der Deutschen Bank die Brandmauer der Europäischen Zentralbank nennen. Sie vertrauen wie andere Marktbeobachter darauf, dass die EZB Turbulenzen im Falle eines Grexit abfedern wird. "Solange die EZB zu ihren Geldkanonen steht, wird es kein Finanzakteur wagen, auf die anderen Krisenstaaten einzuprügeln. Die EZB hat enorme Feuerkraft", schätzt Thomas Mayer.

Somit würde ein Ausstieg Griechenland den Griechen ernsthafte Probleme bereiten, was alle Gesprächspartner bedauern. Für den Rest Europas und seine Anleger aber wäre ein Drachmen-Griechenland eine kleine Volkswirtschaft, die bisher weniger als zwei Prozent zur Wirtschaftsleistung der Währungsunion beiträgt. Und in die weniger als ein halbes Prozent der deutschen Exporte gehen. Deshalb sieht Mayer, dass eine tiefe Rezession in Griechenland die Stimmung an Europas Finanzmärkten für ein paar Wochen verhagelt, aber ohne fundamentale Folgen bleibe.

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