Krise in Griechenland Drei Szenarien für den Ausgang der Krise

Auch nach schier end- und ergebnislosen Verhandlungen ist nicht klar, wie es mit Griechenland und dem Euro weitergeht. Illustration: Stefan Dimitrov

  • Die Finanzmärkte waren am Montagmorgen zwar geschockt - im Tagesverlauf machten sie einen Großteil ihrer Verluste aber wieder wett.
  • Wie genau es mit Griechenland und dem Euro weitergeht, ist aber nach wie vor unklar - zumindest bis zum Referendum am kommenden Sonntag.
  • Grundsätzlich sind immer noch drei Szenarien möglich, wie es mit Griechenland danach weitergehen könnte.
Analyse von Alexander Hagelüken

Am Montag würde es krachen an den Börsen, das sagten nach der Eskalation der Griechen-Krise alle voraus. Verhandlungen aus, Banken zu, das erstmalige Ausscheiden eines Landes aus dem Euro greifbar wie nie: Das muss doch krachen. Es krachte auch. Die Kurse griechischer Staatspapiere fielen so stark, dass die Rendite auf fast 15 Prozent stieg (nach etwas mehr als zehn Prozent Mitte Juni). Der Euro fiel zunächst unter 1,10 Dollar (nach fast 1,12 am Freitag), der Dax gab mit knapp fünf Prozent so stark nach wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Besonders stark erwischte es Bankwerte, die eine Pleite der Griechen noch am ehesten trifft. Die Anleger, die bis Freitag auf eine Einigung gesetzt hatten, wurden von der Eskalation sehr kalt erwischt.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat das Land weiter herabgestuft und teilte mit, die Wahrscheinlichkeit eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone liege nun bei rund 50 Prozent.

Aber bald sah es weniger dramatisch aus. Der Euro stieg wieder an, auf fast 1,12 Dollar. Beim Dax blieb am Ende ein Minus von 3,56 Prozent übrig, immer noch einer der größten Tagesverluste seit langem. Der Euro-Stoxx ging noch stärker nach unten. Am Montag hat es an den Börsen also doch nicht richtig gekracht.

Wie kann das sein, wenn erstmals ein Land aus dem Euro ausscheiden könnte?

Die Konsequenzen des Griechen-Dramas liegen noch immer im Dunkeln

"Ein Grexit wäre vor allem für Griechenland bedauerlich", glaubt Michael Schröder, der beim ZEW-Institut über Finanzmärkte forscht. "Er würde sich für die griechischen Bürger und Betriebe dramatisch auswirken. Aber in den europäischen Aktienkursen ist der Grexit schon enthalten." Solche Sätze kommen am Montag von vielen. "Mich hat es nicht überrascht, dass die Märkte gelassen blieben", so Thomas Mayer, früherer Chefvolkswirt der Deutschen Bank. "Das hat nicht die Dimension, aus dem ein Crash wird."

Aber womit haben die Anleger jetzt überhaupt zu rechnen? Gibt es einen Deal in letzter Minute? Kippt ein Ja zum Hilfspaket beim Referendum die Regierung, oder kippt ein Nein die Griechen aus dem Euro?

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Die Finanzmärkte müssen sich auf eine Woche der Unsicherheit einstellen, prophezeit Eckhard Sauren, Gründer des gleichnamigen Fondsanbieters. Sauren hält die Auswirkungen auf hiesige Investoren aber in jedem Fall für begrenzt, egal wie es ausgeht: "Deutsche Anleger sollten ihre langfristige Strategie verfolgen und nicht aufgrund der Turbulenzen handeln. Wir schauen immer auf Griechenland, aber für den Gesamtmarkt ist viel bedeutsamer, was zum Beispiel gerade in China passiert." Wie es mit Griechenland weitergeht, lässt sich in drei Szenarien einteilen: Im Euro bleiben, Grexit, Ansteckung Europas.