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Krise in Europa:Geldhäuser fürchten den Bankensturm

In Griechenland haben viele Sparer ihre Einlagen bereits in Sicherheit gebracht. Jetzt greift die Angst vor dem Euro-Ausstieg auch auf Anleger bei spanischen und portugiesischen Banken über. In einer Studie heißt es zudem, dass Irland womöglich seine Kreditinstitute bald mit neuen Milliarden stützen muss.

Europas Banken fürchten sich zunehmend davor, dass verunsicherte Kunden in großer Zahl ihr Geld abheben. Auslöser für diese Sorge ist, dass inzwischen offen über den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone diskutiert wird.

Ein solcher Schritt hätte Konsequenzen für Anleger griechischer Banken. Bei einem Austritt müsste Griechenland verhindern, dass die Sparer ihr Geld von ihren Konten holen können, indem es Banken vorübergehend schließt und nur kleine Auszahlungen zulässt. Die Euros der Anleger würden dann in Drachme umgewandelt, deren Kurs vermutlich zunächst stark einbrechen würde.

Am Wochenende hatte die griechische Zentralbank indes mit Nachdruck Veröffentlichungen zurückgewiesen, sie plane Einschränkungen bei Geldabhebungen und Auslandsüberweisungen. "Die Bank von Griechenland dementiert kategorisch diese Veröffentlichung", hieß es in einer Erklärung der Zentralbank. Zuvor hatte die Athener Sonntagszeitung Proto Thema auf ihrer Titelseite berichtet, Banken würden heimlich Auslandsüberweisungen verzögern. Zudem werde geplant, dass jeder Bürger täglich nur einen bestimmten Betrag abheben könne.

700 Millionen Euro abgehoben

Wenn Griechenland aus dem Euro aussteigt, könnten sich die Sparer in anderen kriselnden EU-Ländern wie Spanien oder Portugal sorgen, dass gleiches auch bei ihnen passieren könnte, zitiert das Wall Street Journal Philippe Bodereau, Chef-Anleihenanalyst bei der Fondsgesellschaft Pimco. Sie könnten vorsorglich ihr Geld außer Landes schaffen, bevor es in spanische Peseten oder portugiesische Escudos umgewandelt wird. "Das ist es, worüber sich die Märkte langsam Sorgen machen", sagte Bodereau. "Das bringt die Liquiditätskrise auf ein ganz anderes Niveau."

Selbst in Ländern wie Irland wird die Lage möglicherweise wieder gefährlich. Experten rechnen sogar damit, dass das Euro-Mitglied ein zweites Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds benötigen könnte. Nach einer Studie der Deutschen Bank brauchen die bereits verstaatlichten Banken zusätzliches Kapital, um Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle im Volumen von bis zu vier Milliarden Euro abzudecken.

In Griechenland kam es bereits vergangene Woche zu einem Ansturm auf die Banken. Allein am Montag vergangener Woche haben Kunden mehr als 700 Millionen Euro von griechischen Banken abgehoben. Seit 2009 sollen bereits mehr 16 Milliarden Euro im Ausland in Sicherheit gebracht worden sein.

Die Wiedereinführung der Drachme müsse deshalb "auf einen Schlag passieren, während eines Wochenendes", rät Pedro Videla, Professor an der IESE Business School in Madrid, der "sehr bald" mit diesem Szenario rechnet. "Die Banken müssen geschlossen werden, um Abhebungen zu verhindern." Das sieht auch Giuliano Noci von der Polytechnischen Universität Mailand so: "Drakonische Maßnahmen" wie die Sperrung aller Bankkonten seien notwendig, um eine massenhafte Kapitalflucht zu verhindern.

Eine Alternative könnte sein, die Beiträge auf Bankkonten weiter in Euro zu erhalten, aber Renten oder Gehaltszahlungen fortan in Drachmen auszuzahlen. Die Drachme wäre dann bereits das Mittel für den gesamten staatlichen Zahlungsverkehr.

Briten holen ihr Geld von spanischer Bank

Für Spanien oder Portugal bleibt das Szenario trotz solcher Ratschläge bedrohlich. Vergangene Woche gab es laut Wall Street Journal Gerüchte über einen Exodus der Kunden einer großen spanischen Bank, den die Regierung und Branchenvertreter dann öffentlich bestritten haben. Nach Informationen der amerikanischen Tageszeitung hatten britische Kunden am Freitag mehr als 200 Millionen Britische Pfund von der britischen Sparte der spanischen Banco Santander SA abgehoben. Das entspreche 0,2 Prozent aller Spareinlagen der Bank. Die Kunden reagierten damit auf die Abwertung der Bank durch die Ratingagentur Moody's.

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