Krise in der Euro-Zone:Europa wird zum Kontinent der Arbeitslosen

Noch nie war in Zeiten der Währungsunion die Zahl der Arbeitslosen in den 17 Euro-Ländern so hoch: Mehr als 18 Millionen Menschen sind ohne Job. Verheerend ist die Lage vor allem in Südeuropas Krisenländern. In Spanien findet mehr als jeder zweite Jugendliche keine Arbeit mehr.

Krise in der Euro-Zone: Demonstranten in Madrid: Spanien hat die höchste Arbeitslosenquote in Europa - sie liegt bei 25,1 Prozent.

Demonstranten in Madrid: Spanien hat die höchste Arbeitslosenquote in Europa - sie liegt bei 25,1 Prozent.

(Foto: AFP)

Spanien, Griechenland, Portugal, Frankreich: Tausende von Menschen haben in diesen Tagen gegen Sparmaßnahmen ihrer Regierungen protestiert - allein in Frankreich waren es am Wochenende mehr als 80.000 Menschen.

Das signalisiert, wie dramatisch die Zustände in vielen Ländern mittlerweile sind - was sich auch auch in den neuesten Arbeitslosenzahlen widerspiegelt: 18,2 Millionen Menschen waren im August in der Euro-Zone arbeitslos - 34.000 mehr als noch im Juli und 2,1 Millionen mehr als im August 2011.

In der gesamten EU sind es sogar 25,5 Millionen Menschen, die mittlerweile ohne Arbeit sind. Die Quote liegt unverändert bei 11,4 Prozent in der Euro-Zone und bei 10,5 Prozent in der gesamten EU.

Besonders betroffen ist Spanien, wo die Quote mittlerweile bei 25,1 Prozent liegt. Für Griechenland liegt lediglich der Wert vom Juni vor - da waren es bereits 24,4 Prozent. Noch verheerender ist die Lage bei den Jugendlichen: In Spanien liegt die Quote bei den Personen unter 25 Jahren bei 52,9 Prozent nach 52,7 Prozent im Monat zuvor. Noch schlechter dürfte es mittlerweile in Griechenland aussehen, wo bereits im Juni die Quote bei 55,4 lag.

Rezession im dritten Quartal

Es gibt derzeit wenig Hoffnung, dass sich an dieser Lage bald etwas ändert: Die Geschäfte der Industrie in den Euro-Ländern liefen im Sommerquartal so schlecht wie seit drei Jahren nicht mehr. Der sogenannte Einkaufsmanagerindex, mit dessen Hilfe Ökonomen anhand von Industrie-Kennziffern wie Auftragslage, Einkaufspreisen oder Beschäftigtenzahl die Entwicklung der Wirtschaft zu prognostizieren versuchen, stieg zwar im September um einen Punkt auf 46,1 Punkte. Das Barometer verharrte damit aber auch den 14. Monat in Folge unter der wichtigen Marke von 50 Zählern, ab der sich die Wirtschaft auf Wachstumskurs befinden soll.

Es gilt nunmehr als wahrscheinlich, dass die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone im dritten Quartal erneut zurückgehen wird. Im ersten Jahresviertel hatte das Euro-Zonen-Bruttoinlandsprodukt, das die Wirtschaftleistung der Währungszone abbildet, noch stagniert, im Frühjahrsquartal war es um 0,2 Prozent geschrumpft.

Zunehmend schwieriger wird die Situation vor allem in Frankreich. Dort lief es für die Industrie so schlecht wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Die Euro-Länder leiden unter einer schwachen Binnennachfrage, weil viele Regierungen im Kampf gegen die Schuldenkrise Steuern erhöht und Ausgaben gekürzt haben. Hinzu kommt die Flaute im Welthandel, die die Exporte belastet. Die Welthandelsorganisation WTO hat erst vor wenigen Tagen ihre Prognose für das globale Exportwachstum in diesem Jahr von 3,7 auf 2,5 Prozent gesenkt. Für 2013 wurde die Vorhersage von 5,6 auf 4,5 Prozent korrigiert.

Pessimistischer Ministerpräsident

Die griechische Wirtschaft dürfte nach Ansicht der Regierung im nächsten Jahr sogar schon zum sechsten Mal in Folge schrumpfen. Im Haushaltsentwurf für 2013 werde von einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 3,8 bis 4,0 Prozent ausgegangen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von einem Regierungsvertreter.

Nach einer gut einwöchigen Pause setzt die Geldgeber-Troika ihre Kontrollen in Griechenland fort. Der Bericht der Experten der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist Voraussetzung für die Auszahlung einer nächsten Hilfstranche von 31,5 Milliarden Euro. Im Finanzministerium zeigte man sich am Montag besorgt, dass es erneut Meinungsverschiedenheiten und demnach auch Verspätungen geben könnte. Einer der wichtigsten Streitpunkte sei, dass die Troika auf eine sofortige Entlassung von 15.000 Staatsbediensteten poche. Athen dagegen plant eine Art Frührente für die Beamten.

© Süddeutsche.de/Reuters/hgn/infu/rus
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