Kriminalität bei Solaranlagen Mit Peilsendern und Abhöranlagen gegen die organisierte Kriminalität

Der Aufwand für die Solardiebe ist groß. Die Module wiegen etwa 20 Kilogramm und sind im Durchschnitt einen Quadratmeter groß. Solche Taten müssen gut geplant sein, wissen die Fahnder. "Wir haben es mit organisierter Kriminalität zu tun", heißt es in der Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Brandenburg. Der Diebstahl selbst wird oft von Kleinkriminellen ausgeführt, die in wirtschaftlicher Not stecken. Es gehe für die Fahnder "vor allem auch darum, an die Hintermänner heranzukommen", sagt Sostaric. Nur so ließe sich die Serie stoppen.

Peilsender unter verdächtigen Fahrzeugen, das Abhören von Telefongesprächen - auch die Strafverfolger arbeiten inzwischen mit vielen Mitteln, um dem Problem Herr zu werden. So auch in einem aktuellen Fall. Die Soko Helios ermittelte seit Jahresanfang gegen eine neue Bande. Klar war nur, dass ein bestimmter Transporter von den Tätern genutzt wird. Als der und ein weiterer Wagen im Mai aus Polen über die Grenze fuhren, wurde er von verdeckten Ermittlern bis zu einer Solaranlage bei Eußenheim in Bayern begleitet. Dort schlugen die Diebe zu: Sie ließen 194 Module im Wert von 60 000 Euro mitgehen. Der Zugriff erfolgte erst bei der Rückkehr nach Polen. So war es mit den dortigen Ermittlern vereinbart. Neben einem Kurier und dem Kopf der Bande wurden sechs weitere Täter verhaftet.

Ein seltener Erfolg. Denn häufig gibt es keinerlei Indizien. Zwar lassen Täter auch mal Module von einem städtischen Supermarktdach mitgehen. Meist aber suchen sie sich entlegene Parks, die gut zu erreichen sind und nur sporadisch bewacht werden. Zeugen gibt es deshalb selten. Selbst Alarmanlagen helfen wenig. Wenn der Wachschutz eintrifft, ist es meist zu spät. Und noch kostspieligere Schutzmechanismen wie eine Infrarotüberwachung leiste sich kaum ein Betreiber, sagt Stefan Wippich von der Berliner Dienstleister Envaris, der Solaranlagen wartet und repariert. Das sei wirtschaftlich kaum machbar. Envaris verpasst den Modulen von Solarparks deshalb inzwischen kaum entfernbare Seriennummern, die den Weiterverkauf der Module wenigstens erschweren sollen.

Das BKA sieht indes keine Entwarnung. Im Gegenteil. Gegenwärtig würden immer mehr Solarparks errichtet und Module auf großflächigen Dächern montiert. "Da mit dem zunehmenden Angebot auch die Nachfrage steigen wird, dürfte es auch in naher Zukunft weiterhin zu schadensträchtigen Diebstählen kommen", erklärt die Behörde. Das musste auch der Betreiber des bestohlenen Parks bei Cottbus feststellen. Kaum waren die Täter weg, der Zaun repariert, wurde der Park zum zweiten Mal bestohlen - vielleicht sogar von der gleichen Bande. Diesmal schraubte sie das Zubehör aus der Verankerung: 30 Wechselrichter.