Krimi in der Fleischindustrie"Ungeheuer eigenartig"

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Kontrollen vor Mitternacht, manipulierte Waagen, falsche Verträge - in Ostwestfalen bahnt sich ein neuer Fleischskandal an.

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Hinter den Betrugsermittlungen bei Deutschlands größtem Fleischverarbeiter Tönnies steckt möglicherweise ein Machtkampf in der Fleischbranche.

"Alle Indizien sprechen für diese These", sagte Tönnies-Sprecher Dietrich von Gumppenberg und bestätigte einen Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Tönnies habe 2006 ein Übernahmeangebot eines Konkurrenten ausgeschlagen.

Ein wegen Betrugs entlassener früherer Geschäftsführer eines Tönnies-Schlachtbetriebs im niedersächsischen Sögel sei zu diesem Konkurrenten gewechselt und habe die Ermittlungen losgetreten. Die zuständige Staatsanwaltschaft Bochum wollte sich nicht äußern.

"Stark befremdlich"

Nach Angaben des Bochumer Oberstaatsanwalts Bernd Bienioßek sichtet die Behörde nach einer Razzia bei Tönnies weiter das Beweismaterial. Dies könne einige Wochen dauern.

Die Behörde ermittelt gegen den Fleischverarbeiter mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück bei Gütersloh wegen des Verdachts, Lieferanten und Kunden betrogen und Arbeitnehmer illegal überlassen zu haben. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück und betonte, bei der Aufklärung mitarbeiten zu wollen.

Als "ungeheuer eigenartig" bezeichnete von Gumppenberg zudem den Besuch eines Beamten vom Eichamt vom vergangenen Mittwoch - um 23.09 Uhr habe der Mann die Waage überprüfen wollen. Dieses Prüfverfahren sei "stark befremdlich", es sei "offensichtlich so, dass die Waage verstellt wurde". Von Manipulation wollte er nicht sprechen, allerdings sei das Bundeseichamt in Köln eingeschaltet.

Videoaufzeichnungen des Besuchs sollten an die Staatsanwaltschaft gehen. Der Ex-Manager aus Sögel soll mit falschen Beraterverträgen mehr als 700.000 Euro zur Seite geschafft haben.

Ende 2006 war er rechtskräftig zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Die Unternehmensgruppe Tönnies beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter in Rheda-Wiedenbrück, Weißenfels (Sachsen-Anhalt) und Sögel. Der Umsatz liegt den Angaben zufolge bei knapp drei Milliarden Euro.

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