Energiekrise:BASF-Tochterfirma steht zu Russland

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Energiekrise: Anlage von Wintershall Dea: Das Unternehmen gehört mehrheitlich zu BASF und ist stark in Russland tätig.

Anlage von Wintershall Dea: Das Unternehmen gehört mehrheitlich zu BASF und ist stark in Russland tätig.

(Foto: Martin Meissner/AP)

Wintershall Dea hält trotz des Kriegs in der Ukraine und der Verwerfungen mit Russland am Geschäft mit Gazprom fest - und profitiert sogar: Der Gewinn schnellt nach oben.

Der Öl- und Gasförderer Wintershall Dea will trotz des anhaltenden Kriegs in der Ukraine nicht aus seinen Beteiligungen in Russland aussteigen. "Unsere Meinung über das Russlandgeschäft hat sich nicht geändert", sagte Vorstandschef Mario Mehren am Dienstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Wintershall Dea werde seine Gemeinschaftsunternehmen in Russland mit dem umstrittenen russischen Gaskonzern Gazprom fortsetzen.

Der Vorstand sei verpflichtet, die Vermögenswerte von Wintershall Dea in dem Land und die Mitarbeiter dort zu schützen, betonte Mehren: "Russland einfach zu verlassen, würde bedeuten, der russischen Regierung ein großes Geschenk zu machen, und ich sehe keinen Grund dafür." Das Kasseler Unternehmen, an dem der Chemiekonzern BASF derzeit 72,7 Prozent der Anteile und die Investorengruppe Letter One des russischen Milliardärs Michail Fridman 27,3 Prozent halten, hatte im März entschieden, keine neuen Projekte zur Öl- und Gas-Förderung in Russland mehr voranzutreiben und Zahlungen in das Land einzustellen.

Fast alle westlichen Konzerne - von McDonald's über Siemens und Renault bis ABB - haben sich mittlerweile ganz aus Russland zurückgezogen, sie wollen den Kriegskurs Putins nicht unterstützen und ziehen Konsequenzen.

Das Unternehmen ist an Nord Stream beteiligt - und hat angeblich keine Infos

Wintershall Dea gibt sich dagegen unbeeindruckt und erzielte dort im ersten Halbjahr sogar rund 51 Prozent seiner Gesamtproduktion. Das Unternehmen ist an drei Förderprojekten am Erdgasfeld Juschno Russkoje sowie der Achimov-Formation des Urengoi-Felds in Sibirien beteiligt und mit einem Anteil von 15,5 Prozent zudem Miteigentümer der Nord Stream AG, der die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 1 gehört. Der Gazprom-Konzern, der eine Mehrheit von 51 Prozent an dem Pipeline-Projekt hält, hatte am Montag eine Halbierung der Gasliefermenge auf nur noch 20 Prozent der möglichen Kapazität angekündigt - nur wenige Tage nach der Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch die Ostsee-Pipeline.

Wintershall-Dea-Chef Mehren sagte, er spekuliere nicht über die Gründe für die Reduzierung der Liefermengen. "Ich habe keine Einsicht, selbst als Aktionär der Nord Stream AG, was die wirklichen Gründe für diese Reduzierung sind." Nahezu alle anderen Manager und Politiker sehen die Argumente Gazproms nur als vorgeschoben und werfen Russland Erpressung vor. Wintershall Dea plane, keine Anteile an dem Pipeline-Projekt zu verkaufen, auch wenn Gazprom das Vertrauen in Russland als zuverlässigen Lieferanten für Europa zerstört habe. Wenn Europa seine Abhängigkeit von Importen verringern wolle, sei die Produktion innerhalb der EU ein Muss, sagte Mehren: "Wir brauchen wieder mehr heimische Förderung." Wintershall Dea prüfe daher alle Optionen, um die Produktion aus seinen deutschen Feldern so schnell wie möglich zu steigern.

Aktuell fördert das Unternehmen hierzulande aus 16 Öl- und rund 40 Gasfeldern und hat seine Aktivitäten auf die drei wichtigsten Erdgas- und Erdölförderstätten in Norddeutschland konzentriert. Im zweiten Quartal erhöhte Wintershall Dea seine Produktion insgesamt um zwei Prozent auf 623 000 Barrel Öläquivalent (BOE) pro Tag. Die drei russischen eigenfinanzierten Joint Ventures Achimgaz, Severneftegazprom und Achim Development produzierten ohne Unterbrechung auf dem geplanten Niveau. Das Gesamtjahresziel für die Produktion erhöhte der Konzern auf 620 000 bis 640 000 von 610 000 bis 630 000 BOE pro Tag. Das operative Ergebnis stieg im zweiten Quartal binnen Jahresfrist um 187 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Der bereinigte Nettogewinn schnellte auf 608 Millionen Euro von 168 Millionen.

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