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Kreuzfahrt als Massenprodukt:Alte Branche, neues Image

Marktführer in Deutschland ist und bleibt Aida. Von den 2,4 Milliarden Euro, die mit Hochseekreuzfahrten umgesetzt wurden, erzielte das Unternehmen etwa eine Milliarde. Am meisten Umsatz pro Passagier macht allerdings Luxusanbieter und Tui-Tochter Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, der die MS Europa 2 gehört, mit mehr als 7000 Euro.

Aida ist beliebt, weil es auf deutschsprachiges Personal setzt. Umfragen zeigen, dass die Mehrzahl der Deutschen Englisch und andere Sprachen an Bord nicht gerne hört. Sie nehmen Aida als deutsches Unternehmen wahr - obwohl es längst dem Global Player Carnival gehört.

Die Branche hat einen Imagewandel durchlaufen. Kreuzfahrt soll für alle da sein. Auch dank spezialisierter Fahrten: Schiffe voller FKK-Freunde, Golfer oder Heavy-Metal-Fans sollen gezielt neues Publikum auf den Geschmack bringen. Die Branche sucht "Repeater": Wiederholungstäter. Laut DRV sind die Kreuzfahrer im Schnitt 49 Jahre. Dennoch ist das ältere Publikum noch essenziell für Anbieter. Die Reiseanalyse des Vereins Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen hat ermittelt, dass von den Deutschen, die in den vergangenen drei Jahren eine Kreuzfahrt gemacht haben, fast die Hälfte, 48,5 Prozent, älter als 60 Jahre war.

Und die Flusskreuzfahrt? Wenn der Deutsche Reiseverband Zahlen vorlegt, wird sich zeigen, wie sie mit der Mehrwertsteuererhöhung klargekommen ist, die seit Anfang 2012 gilt - der Satz stieg von sieben auf 19 Prozent. Insidern zufolge lief der Markt schlechter als zuvor. Im Jahr 2011 waren noch fast eine halbe Million Deutsche auf Flüssen unterwegs gewesen, das Wachstum war schon damals deutlich geringer als auf hoher See. Bernhard Jans von der Forschungsgruppe Kreuzfahrt der TU Dresden schreibt in einer E-Mail (er befindet sich gerade selbst auf Kreuzfahrt), auf den Flüssen gebe es "größere Auslastungsprobleme". Auch auf Binnenkreuzfahrten werde Entertainment immer wichtiger, sagt DRV-Experte Vogel: "Das ist ja mittlerweile deutlich mehr, als an der Loreley entlangzuschippern."

Ein lukratives internationales Reiseziel ist indes gerade dabei, der Kreuzfahrtbranche wegzubrechen: Wegen der Gewaltausbrüche und der unsicheren Lage in Ägypten hat Norwegian Cruise Line verkündet, Ägypten bis 2015 nicht mehr anzusteuern. Aida hat Ausflüge zum unruhigen Tahrir-Platz in Kairo bereits gestrichen.

Trotz solcher Widrigkeiten: Das Geschäft boomt. Wie lange noch, ist offen. Professor Papathanassis glaubt nicht an endloses Wachstum: "Ich gehe davon aus, dass erst der US-Markt, in 15 Jahren auch der EU-Markt stagnieren wird." Bis dahin gibt es aber noch viel Geld zu drucken auf hoher See - mit dem Erfolg dürften auch die Touristen kritischer werden.

© SZ vom 07.02.2013/jab
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