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Kreditwirtschaft:Banken sollen Kapital bunkern

Auf die Banken kommt es jetzt an: Die Finanzaufsicht rät den Instituten nun sogar von Boni und Dividenden ab, damit sie weiterhin Kredite an kriselnde Unternehmen vergeben können.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

In der Corona-Krise kommt es nun auf die Banken an. Reichen sie keine Kredite mehr durch an kriselnde Unternehmen, wird die Wirtschaft endgültig zusammenbrechen. Die Finanzaufsicht Bafin hat die Banken daher aufgefordert, lieber zurückhaltend zu sein bei der Ausschüttung von Dividenden an Aktionäre und Boni an die Mitarbeiter. Angesichts einer "hohen Ungewissheit über die weiteren Entwicklungen" empfahlen die Aufseher am Dienstag, "von Aktienrückkäufen Abstand zu nehmen sowie Ausschüttungen von Dividenden, Gewinnen und Boni sorgfältig abzuwägen". Bafin-Präsident Felix Hufeld unterstrich in der Mitteilung: "Wir raten Finanzinstituten, mit vorhandenen Kapitalressourcen sehr sorgfältig umzugehen."

Wie andere Aufsichtsbehörden entlastet die Bafin ihrerseits die Finanzbranche mit einer möglichst flexiblen Auslegung der Regularien. "Das bestehende Regelwerk ermöglicht ein hohes Maß an aufsichtlicher Flexibilität, die wir umfassend nutzen", erklärte Hufeld. "Wir entlasten die Banken da, wo es ohne Einbußen für die Finanzstabilität möglich ist."

Mit Blick auf die Boni dürfte der Wunsch der Aufsicht zu spät kommen - zumindest für 2019 haben die Banken ihre Boni wohl bereits alle ausgezahlt. Möglicherweise werden die Bank nun aber keine Rückstellungen für die Auszahlungen von Boni für 2020 bilden, was ihr Kapital ebenfalls entlastet. Bei der Dividende aber wird Hufelds Wunsch Auswirkungen haben, zumindest auf die Commerzbank, die bis zuletzt noch an der Dividende für 2019 festgehalten hatte. Eine Sprecherin der Commerzbank sagte nun: "Wir schauen uns das genau an und entscheiden dann verantwortungsvoll". Ein Sprecher der Wiesbadener Immobilienbank Aareal Bank verwies am Mittwoch hingegen auf die jüngste Entscheidung, weiter eine Dividende zahlen zu wollen. Anders als die Deutsche Bank, welche sich wegen der Kosten für den Konzernumbau ohnehin die Dividende spart.

Dass die Banken ihre Reserven schonen müssen, zeigt auch der Umgang mit bestimmten eigenkapitalähnlichen Anleihen, welche nach der Finanzkrise entwickelt wurden, um sicherzustellen, dass die Anleger und nicht die Steuerzahler bei einer Schieflage der Bank geradestehen müssen. Diese Anleihen sind gut verzinst; die Banken sollen sie im Krisenfall als Verlustpuffer nutzen. Mit der Deutschen Bank und der Aareal haben sich in Deutschland inzwischen zwei Banken entschieden, diese Tier-1-Wertpapiere (AT1) erst zu einem späteren Zeitpunkt zurückzuzahlen. Noch vor der Corona-Krise hätten die Investoren am Kapitalmarkt dies als Tabubruch wahrgenommen.

© SZ vom 25.03.2020
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