Kredit-Plattformen "Wir schließen die Lücke"

Immer mehr Unternehmen können sich vorstellen, online einen Kredit abzuschließen.

(Foto: Rainer Jensen/dpa)

Die Internet-Plattform Creditshelf vergibt auch ohne Sicherheiten Darlehen. Verschiedene Angebote zu vergleichen, lohnt sich.

Von Bärbel Brockmann

Mittelständler gelten als konservativ, wenn es ums Geld geht. Dennoch nimmt auch bei kleinen und mittleren Unternehmen die Bereitschaft zu, Kredite über Online-Kreditplattformen aufzunehmen. Nach einer Studie des Frankfurter Start-ups Creditshelf, selbst einer dieser neuen Kreditmarktplätze, kann sich mittlerweile fast jedes dritte mittelständische Unternehmen die Kreditvergabe über ein Onlineportal vorstellen. Vor einem Jahr hatten sich erst 24 Prozent der Befragten dies vorstellen können.

Die steigende Aufgeschlossenheit hängt auch mit der zunehmenden Bekanntheit der Online-Plattformen zusammen. 64 Prozent der Unternehmen haben mittlerweile schon von der Möglichkeit gehört, sich über Online-Plattformen zu finanzieren. 30 Prozent haben aus den Medien davon erfahren und schon 28 Prozent von ihrer Hausbank selbst. Auch Steuerberater machen ihre Kunden immer häufiger auf die Plattformen aufmerksam.

"Gerade die Empfehlungen der Hausbanken und die Hinweise der Steuerberater werden künftig dazu beitragen, dass die Akzeptanz der Internet-Kreditplattformen im deutschen Mittelstand noch weiter steigen wird", ist Dirk Schiereck, Experte für Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt, überzeugt. Die TU hat den "Finanzierungsmonitor 2017" wissenschaftlich begleitet. Dafür wurden 100 Finanzentscheider aus kleineren und mittleren Unternehmen befragt.

Mittlerweile gibt es immer mehr Plattformen im Internet. Sie heißen etwa Creditshelf, Zencap oder Fintura und unterscheiden sich auch im Angebot. Creditshelf, zum Beispiel, bietet ausschließlich die Vermittlung kurzfristiger, ungesicherter Betriebsmittelkredite an. Und bringt auf seiner Plattform Investoren und Darlehensnehmer zusammen. "Wir stellen immer wieder im Gespräch mit Kunden fest, dass Banken generell zur Kreditvergabe bereit sind, aber nicht die Finanzierungserfordernisse in vollem Maße erfüllen", sagt Daniel Bartsch, Gründer und Geschäftsführer von Creditshelf.

Unternehmen können durch die neuen Anbieter weitere Geldgeber finden

Gerade bei kleineren Unternehmen wollen Banken für Darlehen typischerweise Sicherheiten sehen. Sie müssen auch aufgrund ihrer eigenen Eigenkapitalvorschriften darauf bestehen. Die Institute finanzieren in der Regel auch nicht den vollen Bedarf, etwa ein ganzes Warenlager, sondern nur einen Großteil davon. Dann muss der Unternehmer sehen, woher er für den Rest noch eine Finanzierung bekommt. Oft greift er auf eigene Mittel zurück. Eine andere Möglichkeit sind Lieferantenkredite. Die sind aber meistens sehr viel teurer als ein Bankkredit. "Wir schließen die Lücke zwischen dem besicherten Bankkredit, der vielleicht in der Bonitätsklasse, wo kleine und mittlere Unternehmen unterwegs sind, fünf bis sechs Prozent kostet und dem Lieferantenkredit, der schon mal 15 oder 20 Prozent kosten kann", sagt Bartsch. Konkret heißt das: Bei Creditshelf muss ein Unternehmen mit einem Zins von neun bis 9,5 Prozent rechnen. Hinzu kommt eine Gebühr von eins bis zwei Prozent der Darlehenssumme für die Vermittlung. Die Investoren zahlen eine Servicegebühr von einem Prozent im Jahr.

Onlineplattformen haben derzeit auch gute Chancen, da viele Mittelständler sich weniger abhängig von einem Institut machen wollen. Generell sollten sich Firmen gut informieren und verschiedene Angebote vergleichen. Mit Onlineplattformen, die erst kurze Zeit am Markt sind, gehen zwar höhere Risiken einher. Auch Cyberrisiken sollten nicht unterschätzt werden. Neue Anbieter bieten aber auch die Chance, zusätzliche Kreditgeber zu finden.

Anders als bei Kreditplattformen wie beispielsweise Auxmoney, die Darlehen für Verbraucher im Zuge eines Crowdfunding vermitteln, können bei Creditshelf keine Kleinanleger als Investoren einsteigen. Das liegt hauptsächlich an dem vergleichsweise hohen Ausfallrisiko, das ungesicherte Kredite mit sich führen. "Das ist eine Anlageklasse, die durchaus auch Risiken mit sich bringt, sonst wären die hohen Zinsen auch gar nicht möglich", sagt Bartsch. Creditshelf sucht deshalb nur professionelle, institutionelle Investoren wie Versicherungen, Fonds oder Pensionskassen. Sie alle haben im derzeitigen Niedrigzinsumfeld große Schwierigkeiten, noch auskömmliche Renditen zu erwirtschaften und sind daher eher bereit, Risiken einzugehen und in der Lage, Ausfälle zu verkraften.

Noch ist der Markt für Onlinekredite klein, aber er wächst schnell

Und wenn die Zinsen wieder steigen? Das hält Bartsch für verkraftbar: "Das bedeutet nur, wir müssten immer einen gewissen Zinsvorsprung haben." Für die Kreditnehmerseite sei das Modell ohnehin weiterhin attraktiv. Dieses funktioniert so: Ein Unternehmen registriert sich und übermittelt seine Kreditanfrage. Die Experten der Plattform prüfen die Unterlagen und entscheiden über die Projektfreigabe. Das Projekt wird dann bei Investoren in einer geschlossenen Auktion als Investition angeboten. Danach bekommt das Unternehmen sein Geld ausbezahlt.

Noch ist der Markt für Online-Kreditfinanzierungen klein, aber er wächst schnell. Das Londoner Analysehaus Liberum sagt voraus, dass bis 2025 schon knapp acht Prozent des gesamten Finanzierungsvolumens für kleine und mittlere Unternehmen über Online-Plattformen finanziert werden werden. Creditshelf spürt diese Dynamik schon. Im ersten vollen Jahr seiner jungen Existenz erreichten die Plattform 2016 Kreditanfragen über mehr als 250 Millionen Euro. Arrangiert wurden tatsächlich Darlehen im deutlich zweistelligen Millionenbetrag. Bartsch geht davon aus, dass der deutsche Markt für die Neuvergabe von Unternehmenskrediten im Segment der kleineren und mittleren Unternehmen ein Volumen von jährlich 110 Milliarden Euro hat. Daran will er sich für sein junges Unternehmen einen größeren Anteil erschließen.

Mit diesem Ziel ist er nicht allein. Die Zahl der Start-ups in diesem Bereich der Fintech-Branche steigt. Und damit auch der Druck zur Konsolidierung. Das Übernahmekarussell dreht sich bereits. Experten erwarten vor allem, dass Banken durch Übernahmen oder Eigengründungen selbst in den Markt einsteigen werden. So hat etwa die Commerzbank Mitte 2016 unter dem Namen "Main Funders" als erste deutsche Großbank eine Finanzierungsplattform für mittelständische Unternehmen gegründet.