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Kraftwerke:Uniper verkauft Frankreich-Geschäft

Abendstimmung am Braunkohlekraftwerk

Der Energiekonzern Uniper ist wie hier mit dem Braunkohlekraftwerk Schkopau in Sachsen-Anhalt in mehr als 40 Ländern aktiv.

(Foto: Martin Schutt/dpa)

Der Energiekonzern reagiert damit auf die Anti-Kohle-Politik in Paris.

Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper verkauft sein Frankreich-Geschäft. Käufer ist die EPH-Holding um den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky. Die EPH-Tochter EP Power Europe werde neben dem Vertriebsgeschäft je zwei Gas- und Kohlekraftwerke sowie Biomasse-, Wind- und Solarstromanlagen übernehmen, teilte Uniper am Donnerstag mit.

Die entsprechenden Vereinbarungen seien unterzeichnet, alle erforderlichen Freigaben lägen vor, so das Unternehmen. Zum Kaufpreis schwiegen beide Seite. Der Verkauf betrifft über 500 Mitarbeiter. Insgesamt arbeiten etwa 12 000 Beschäftigte für Uniper, zuletzt erzielte das Unternehmen einen Jahresumsatz von 78 Milliarden Euro. Uniper reagiert mit dem Verkauf auf den Beschluss der französischen Regierung, aus der Kohleverstromung auszusteigen. Die Schließung der beiden Kohlekraftwerke "lange vor ihrem technischen Laufzeitende hätte unser gesamtes Geschäft in Mitleidenschaft gezogen", sagte Uniper-Vorstandsmitglied Eckhardt Rümmler. "Deshalb mussten wir unternehmerisch handeln."

EPH hatte Uniper, das in mehr als 40 Ländern aktiv ist, bereits Ende vergangenen Jahres ein Angebot für das Frankreich-Geschäft vorgelegt. Der Vollzug am Donnerstag sorgte nur für eine marginale Bewegung des Börsenkurses. Die Uniper-Aktie notierte wie bereits am Vortag bei etwa 27,50 Euro.

Kretinsky, dessen EPH-Gruppe das Uniper-Geschäft übernimmt, herrscht über ein großes Firmenimperium. In Deutschland investierte er bereits mehrfach. Zur Energiesparte gehören ebenso Braunkohle-Tagebaue und Kraftwerke in Ostdeutschland. Auch außerhalb des Energiesektors ist der wohlhabende Tscheche aktiv. Zuletzt stieg er in den Schienengüterverkehr hierzulande ein. Der Investor ist zudem an der Großhandelskette Metro beteiligt, bei der er die Kontrolle übernehmen will.

Der Kraftwerksbetreiber Uniper fiel zuletzt vor allem durch einen offenen Streit zwischen dem Management und dem größten Aktionär, dem Energiekonzern Fortum aus Finnland, auf. Fortum hält knapp 50 Prozent an dem M-Dax-Unternehmen, das vor drei Jahren aus dem Eon-Konzern hervorgegangenen war. Eine Entscheidung der russischen Antimonopolbehörde hindert die Finnen, ihre Beteiligung auf mehr als 50 Prozent aufzustocken. Uniper betreibt mehrere Kraftwerke in Russland. Zu einem gehört auch eine als strategisch wichtig eingestufte Anlage zur Trinkwasseraufbereitung. Aus diesem Grund darf Fortum keine Mehrheit an Uniper übernehmen. Seit Anfang Juni haben die Düsseldorfer mit dem ehemaligen Thyssenkrupp-Manager Andreas Schierenbeck zudem einen neuen Vorstandschef, der das Unternehmen unter dem Druck der Investoren ordnen muss.