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Kosten von Stuttgart 21:... und noch eine Milliarde mehr

Interaktiver Zeitstrahl

Der Bund soll weitere Milliarden für Stuttgart 21 verweigern - denn das Projekt wird teurer und teurer. Die Geschichte der steigenden Kosten für das Bauvorhaben ist lang. Die erste Kalkulation war noch in Mark und mehr als halb so günstig wie heute. Eine Chronologie in Milliarden.

Man zahlte noch mit der Mark, als Erwin Teufel, der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, den Bau eines neues Untergrundbahnhofes in Stuttgart verkündete. Von einem "Jahrhundertprojekt", das dem gesamten Süden des Landes nutze, sprach Teufel Ende der 1990er Jahre. Heute bereitet Stuttgart 21 vielen Sorgen. Vor allem die Kosten des Bahnhofes steigen und steigen. Von der ersten Planung im Winter 1995 bis zur letzten im vergangenen Dezember wuchsen sie um mehr als vier Milliarden Euro an.

Jetzt soll der Bund weitere Kostensprünge nicht mehr mitmachen wollen. Im Aufsichtsrat will er erreichen, dass Alternativen geprüft werden, berichtet die Stuttgarter Zeitung unter Berufung auf ein Dossier des Verkehrsministeriums.

Das wäre ein Novum in der Entwicklung des Projektes. Bisher wurde es stetig teurer:

November 1995: Bahn, Bund, Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart unterzeichnen eine Rahmenvereinbarung. Das Projekt soll etwa fünf Milliarden Mark (knapp 2,6 Milliarden Euro) kosten.

Juli 2004: Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung der Bahn gibt die neuen Kosten von Stuttgart 21 mit 2,8 Milliarden Euro an.

19. August 2008: Die Landesregierung räumt Mehrkosten für Stuttgart 21 ein. Das Vorhaben soll jetzt 3,076 Milliarden Euro kosten.

3. November 2008: Der Bundesrechnungshof prophezeit Mehrkosten von mehr als zwei Milliarden Euro. Die Prognose des Finanzkontrolleure für Stuttgart 21 beläuft sich auf mehr als fünf Milliarden Euro.

2. April 2009: Bund, Land und Bahn unterzeichnen die Finanzierungsvereinbarung. Kostenstand für Stuttgart 21: etwa drei Milliarden Euro.

8. November 2009: Bahnchef Rüdiger Grube legt die "Sollbruchstelle" für Stuttgart 21 mit 4,53 Milliarden Euro fest. Werde diese Grenze überschritten, müssten die Projektträger erneut über die Finanzierung sprechen.

10. Dezember 2009: Nach dem Bahnaufsichtsrat ermöglichen auch die anderen Geldgeber Land, Stadt und Region Stuttgart den Baubeginn - auch wenn die Kosten auf jetzt 4,1 Milliarden Euro geklettert sind.

2. Februar 2010: Die Bauarbeiten beginnen.

27. Juli 2010: Bahnchef Grube gibt für die Schnellbahntrasse nach Ulm eine Kostensteigerung um 865 Millionen Euro auf 2,9 Milliarden Euro bekannt.

13. September 2011: Das grün-rote Kabinett macht mit einem Beschluss deutlich, dass das Land keinen Cent mehr als die vorgesehenen 824 Millionen Euro zahlen werde, sollte der Kostendeckel von 4,5 Milliarden Euro gesprengt werden.

23. März 2012: Die Bahn gibt bekannt, dass der Bahnhof voraussichtlich erst mit einem Jahr Verzögerung im Jahr 2020 in Betrieb geht - und sieht die Bausumme nach wichtigen Vergaben bei 4,3 Milliarden Euro.

12. Dezember 2012: Nach einer Neukalkulation erhöht die Bahn den Finanzrahmen auf 5,6 Milliarden Euro. Hinzu kommen Risiken in Höhe von 1,2 Milliarden Euro. Insgesamt könnten die Kosten sich also auf 6,8 Milliarden Euro belaufen, 260 Prozent des ursprünglich geplanten Betrages.

© Süddeutsche.de/dpa/ale/jab

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