Kosten für Gesundheit Behandlung beim Zahnarzt wird teurer

Die Patienten müssen sich mal wieder auf höhere Ausgaben für ihre Gesundheit einstellen. Weil die Gebührenordnung für Zahnärzte überarbeitet werden soll, warnen die Kassen vor einem Anstieg der Zusatzkosten um 20 Prozent. Nicht nur Privatpatienten, sondern auch viele gesetzlich Versicherte sind betroffen. Doch die Mediziner halten die Sorge für übertrieben.

Von Claus Hulverscheidt

Die Behandlung beim Zahnarzt wird für viele Patienten deutlich teurer. Grund ist eine neue Gebührenordnung, die die Zahnarzthonorare laut Gesundheitsministerium um etwa sechs Prozent nach oben treiben wird. Die Privatversicherer warnen sogar vor einem Anstieg um fast 20 Prozent.

Die Behandlungen beim Zahnarzt werden teurer.

(Foto: obs/proDente e.V.)

Das Gesundheitsministerium hält die Reform schon aus wissenschaftlich-technischen Gründen für unabdingbar, weil die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) seit 1989 nicht mehr geändert wurde. Viele moderne Behandlungsmethoden tauchen deshalb in der GOZ bisher gar nicht auf und können somit nur über Umwege in Rechnung gestellt werden. Darüber hinaus hatten die Zahnärzte zunächst einen Inflationsausgleich von 69 Prozent verlangt. Davon ist mittlerweile allerdings keine Rede mehr. Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) sieht ohnehin keinen Nachholbedarf, da die Zahnärzte in den vergangenen 22 Jahren Wege gefunden hätten, die Teuerungsrate auszugleichen.

Von einer deutlichen Erhöhung der Honorare wären neben Privatpatienten auch viele gesetzlich Versicherte betroffen, weil die Kassen ihre zahnärztlichen Leistungen in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgefahren haben und die Patienten immer mehr selbst zahlen müssen. Wer etwa mehr als eine bloße Amalgam-Füllung will, erhält dafür vom Arzt eine Extra-Rechnung nach GOZ.

Tatsächlich rechnen die Zahnärzte ihre Leistungen seit 1989 nach den gleichen Punktwerten ab. Alle Werte werden jedoch stets mit dem sogenannten GOZ-Faktor multipliziert, dessen Richtgröße bei 2,3 liegt. Je nach Komplexität und Zeitaufwand der Behandlung dürfen die Mediziner aber auch einen höheren Multiplikator verwenden - wovon sie nach Darstellung der Privatversicherer rege Gebrauch machen. Wie aus PKV-Kreisen verlautete, ist die Zahl der Fälle, in denen der Steigerungsfaktor bei mehr als 2,3 lag, zwischen 2000 und 2009 um fast 65 Prozent gestiegen.

Da nun viele Punktwerte erhöht werden sollen, geht das Gesundheitsministerium davon aus, dass die Mediziner in Zukunft wieder niedrigere Multiplikatoren verwenden werden. In den PKV-Kreisen hieß es jedoch, es widerspreche "aller Lebenserfahrung, dass die Zahnärzte darauf verzichten werden, den sich ihnen bietenden gesetzlichen Spielraum auch auszuschöpfen".

Am Ende würden die Honorare deshalb nicht um sechs, sondern "um 14 bis 18 Prozent" steigen. Nach einem Bericht der Zeitung Die Welt geht die AOK davon aus, dass schon bei einem Honorar-Anstieg um sechs Prozent je nach Behandlung ein Mehraufwand zwischen 17 und 133 Euro auf die Kassenpatienten zukommen könnte.

Zahnärzte relativieren Sorgen

Die Zahnärzte selbst halten diese Zahlen für weit übertrieben. Zwar bestreiten auch sie nicht, dass es zu Mehrkosten in etwa der Größenordnung kommen wird, die das Gesundheitsministerium vorhersagt. Die Zahlen der PKV aber seien ein "Horrorszenario", mit dem sich die Privatkassen "einmal mehr als Verhandlungspartner diskreditiert" hätten, sagte der Chef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Jürgen Fedderwitz, der Süddeutschen Zeitung.

"Die PKV versucht wiederholt, mit falschen Zahlen Ängste zu schüren und die längst überfällige Novellierung der privaten Gebührenordnung zu torpedieren", erklärte er weiter. Gesetzlich Versicherte könnten aber beruhigt sein: "Weder bei der Qualität noch bei den Kosten der zahnärztlichen Behandlung müssen sie Verschlechterungen befürchten", so Fedderwitz. Einige Leistungen, etwa bestimmte Kunststofffüllungen, würden sogar günstiger, als sie es heute sind.

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