Korrigierte Statistik der Arbeitsagentur Zahl der Niedriglöhner überschätzt

Hartz IV trotz Vollzeitbeschäftigung - das betrifft deutlich weniger Arbeitnehmer in Deutschland als bislang angenommen. Die Bundesagentur für Arbeit muss eine entsprechende Statistik korrigieren. Das könnte die Debatte um einen gesetzlichen Mindestlohn beeinflussen.

In Deutschland sind deutlich weniger Vollzeitbeschäftigte auf Hartz IV angewiesen als bisher angenommen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat eine entsprechende Statistik korrigiert. Demnach gibt es fast ein Drittel weniger Vollzeit-Arbeitnehmer, die ihr niedriges Einkommen vom Staat aufstocken lassen müssen. Die Arbeitsagentur bestätigte Süddeutsche.de einen entsprechenden Bericht der FAZ.

Die neuen Zahlen könnten die Debatte über einen gesetzlichen Mindestlohn beeinflussen. Denn dessen Befürworter argumentieren, dass immer mehr Beschäftigte trotz Vollzeitarbeit zu wenig verdienen, um ohne staatliche Unterstützung leben zu können.

Deren Anteil aber fällt nach den korrigierten Zahlen der Arbeitsagentur deutlich niedriger aus: Insgesamt gibt es 1,2 Millionen abhängig Erwerbstätige, die ihr Gehalt mit Arbeitslosengeld II aufstocken. Darunter befinden sich nach den neuen Daten nur noch 218 000 Vollzeitbeschäftigte, also 113 000 weniger als bisher angenommen. Das sind 16,6 Prozent statt 26,3 Prozent. Der Anteil alleinstehender Aufstocker schrumpft dabei von 6,4 auf 3,9 Prozent.

Eine Sprecherin der Arbeitsagentur erklärte, es handele sich um eine "rein statistische Verschiebung", für die die BA nicht direkt verantwortlich sei. Vielmehr sei das Meldeverfahren der Betriebe via Rentenversicherung korrigiert worden und bilde die Fakten nun genauer ab. Die Arbeitsagentur erklärt die statistischen Veränderungen nun in einem Methodenbericht auf ihrer Website (PDF).