Kooperation Die Branche lachte bisher über die Teletubbie-Fliewatüüts von Google

Es soll bescheiden anfangen: Mit 100 selbstfahrenden Autos, die Fiat Chrysler für die Tests in die Kooperation einbringt. Die Hybrid-Minivans des Modells Chrysler Pacifica sollen bis Ende des Jahres fertig sein. Es soll schnell gehen, denn Google arbeitet seit Jahren an selbstfahrenden Autos und will nun durchstarten: 2,4 Millionen Kilometer Tests am Stammsitz des Konzerns im kalifornischen Mountain View, in Austin, Texas, und in Arizona waren erst der Anfang. In Jahren, in denen die etablierten Autokonzerne noch an ihren Dieselmotoren feilten und ihre Lobbyisten in Brüssel aufmarschieren ließen, um über CO₂-Regulierungen zu streiten, verlegte Google schon mal die Zukunft in die Gegenwart und ließ kleine, selbstfahrende Elektroautos auf die Straße.

Das ist noch nicht lange her und die Branche lachte über die seltsamen Teletubbie-Fliewatüüts. Daimler-Chef Dieter Zetsche fand, die Dinger sähen aus wie eine "Mondlandefähre". Doch die Zeiten, in denen man eigene kleine Vehikel oder umgebaute Toyotas über Firmenparkplätze und Landstraßen manövrierte, sind vorbei. Nun wird es Ernst, mit Fiat.

Niemand braucht eine Kooperation so sehr wie Sergio Marchionne selbst

In Italien sehen viele ihren traditionsreichen Autobauer schon in neuen Sphären. Wer mit den Kaliforniern zusammenarbeite, könne nicht alles falsch gemacht haben. Dennoch drängt sich ein Verdacht auf: Dass Fiat das Rennen macht, liegt kaum daran, dass Fiat Chrysler die interessanteste Firma für Google ist. Es liegt daran, dass sonst niemand mitmachen wollte.

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Es heißt, die Italiener dürften die Technik nicht einmal exklusiv für sich beanspruchen. Was also treibt die 1899 gegründete "Fabbrica Italiana Automobili Torino" in einen solchen Deal? Es ist: ihr Chef. Sergio Marchionne, der 63-jährige Italo-Kanadier, der das Unternehmen seit zwölf Jahren führt, fädelte vor sieben Jahren die schrittweise Übernahme von Chrysler sein. Seitdem spricht er weniger über Autos als darüber, wie und wo und von wem Autos produziert werden. Marchionne hat eine Vision: Die Autowelt ist teuer, und wer all die hohen Entwicklungskosten finanzieren will, die in den nächsten Jahren auf die Branche zukommen, muss groß sein.

Seitdem antichambriert Marchionne, wo er nur kann: Zuerst wollte er Opel haben. Als er die Tochter nicht bekam, versuchte er, mit der Mutter General Motors anzubandeln. Als deren Chefin Mary Barra ihm einen Korb gab, zog der unermüdliche Marchionne weiter. Ford? Toyota? Volkswagen? Niemand biss an. Weil vielleicht niemand eine große Kooperation so sehr braucht wie Sergio Marchionne selbst. Jahrelange Brautschau, immer wieder Absagen. Das kann frustrieren. Nun hat er die Chance, die Google-Technik für selbstfahrende Autos zu testen. Das ist besser als nichts. Zumal es ihn nicht viel kostet.

So gesehen könnte Fiat, Traditions-Hersteller alter Italo-Ikonen wie dem Cinquecento, der erste Autobauer sein, der für Google das Blech biegt. Bisher waren Autobauer nur Autobauer und IT-Firmen reine Zulieferer. Gut möglich, dass sich die Rollen ändern, dass Fiat Chrysler irgendwann einmal zum Zulieferer wird, und zwar für Google.