Konzert-Tickets Billett-Roulette

Tickets von Stars wie den Rolling Stones sind heiß begehrt, unseriöse Ticket-Händler nutzen das oft aus – und der Dumme ist der Käufer.

(Foto: dpa)

Konzert ausverkauft? Kein Problem, im Internet gibt es ja meistens noch Karten. Doch Vorsicht: Unseriöse Wiederverkäufer verlangen horrende Summen, oft sind die Tickets gefälscht.

Von Berrit Gräber

Einmal die Rolling Stones live erleben, ein Spiel von Bayern München gegen den BVB, ein Open-Air mit dem Tenor Placido Domingo: Fans lassen nichts unversucht, an Eintrittskarten für begehrte Konzerte, Fußballspiele oder Festivals zu kommen. Entsprechend boomt der Schwarzmarkt. Doch aufgepasst: Wer im Internet auf Zweitmarkt-Börsen wie Viagogo oder Ticketbande kauft, kann sich viel Ärger einhandeln, warnt Tatjana Halm, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Bayern. Die Beschwerden über Betrüger häufen sich. "Verbraucher werden gezielt getäuscht", sagt auch Johannes Ulbricht, Justiziar des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft (BDV).

Horrende Preise von 700 Euro etwa für einen Auftritt des Pianisten Lang Lang in der Hamburger Elbphilharmonie oder 800 Euro für ein Konzert von Ed Sheeran sind keine Garantie, dass es die Karten wirklich gibt. Gerade erst hat Viagogo auf seiner Seite Karten für einen Auftritt der Komikerin Carolin Kebekus angepriesen, der nie geplant war und auch nicht stattfinden wird. "Erst abgezockt, dann keine Karten" - immer öfter machen enttäuschte Fans in Internetforen ihrem Ärger Luft. Beim Ticketkauf kann tatsächlich einiges schieflaufen, die Tricks der Verkäufer werden immer ausgefeilter. Es lohnt sich daher, genau zu prüfen. Ein paar Tipps, wie man sich gegen einen Reinfall wappnet.

Das Problem

Immer öfter sind Karten für große Musik- und Sportevents schon kurz nach dem Vorverkaufsstart restlos vergriffen. Schuld daran sei nicht immer nur die große Nachfrage der Fans, erläutert Ulbricht. Vielmehr seien häufig professionelle Weiterverkäufer am Werk. Sie kaufen frühzeitig große Kartenkontingente zum Originalpreis auf. Sind die Veranstaltungen am Ticketkiosk oder auf lizensierten Verkaufsseiten wie Eventim oder Ticketmaster ausverkauft, platzieren sie die begehrte Beute auf Zweitmarktplattformen im Internet. Oder auf Ebay. Das Geschäft der Schwarzmarkthändler boomt. Ob nationale und internationale Fußball-Tickets, Festivalkarten, Konzerttickets - was begehrt ist, wird im Netz oft zum doppelten, dreifachen oder gar fünffachen Preis angeboten. Selbst dann, wenn die Veranstaltungen gar nicht ausverkauft sind. Statt 200 Euro, wie vom Veranstalter vorgegeben, sollen Fans dann beispielsweise mehr als 800 Euro für einen Abend mit Ed Sheeran hinblättern.

Die Tricks

Etwa 20 Zweitmarkt-Plattformen haben sich nach Angaben von BDV-Justiziar Johannes Ulbricht im Netz etabliert. Portale wie Viagogo oder die Ebay-Marke Stubhub. Veranstaltern und Künstlern seien sie "ein großer Dorn im Auge", sagt er. Dass der Schwarzmarkthandel mit überteuerten Karten überhaupt funktioniert, liege an der Aufmachung, erklärt Christian Gollner, Jurist der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: Die Anbieter vermitteln den Eindruck, sie seien offizielle Ticketverkaufsstellen. Die Seiten sehen aus wie echte Ticketshops - mit Stadionplänen, Sitzreihen und verfügbaren Plätzen. Wer kauft, reiht sich angeblich in eine "Warteschlange" ein, steht vermeintlich unter Zeitdruck, bekommt erst zum Schluss die hohen Aufschläge präsentiert. Dass man von privat kauft, wird nicht erwähnt. Der echte Verkäufer bleibt im Dunkeln. Die Verbraucherzentrale Bayern hat zum Beispiel Viagogo wegen des intransparenten Geschäftsmodells und der Verbrauchertäuschung bereits abgemahnt.

Die Risiken

Wer bei inoffiziellen Kartenhändlern kauft, sollte wissen: Eine Garantie, tatsächlich einen schönen Abend zu erleben, gibt es nicht. Mal werden die teuer gekauften Karten erst in letzter Minute versandt, mal wird eine schlechtere Platzkategorie geliefert, mal gibt es personalisierte Tickets, die wertlos sind, wenn sie beim Veranstalter nicht auf den neuen Besitzer umgeschrieben werden können. Reinfallen können Fans auch mit gefälschten Karten - wie im Fall der Arena di Verona, wo ein inzwischen dingfest gemachter Betrüger offenbar über mehrere Jahre mit falschen Tickets handelte - oder mit Karten, die mehrmals verkauft werden. Sehr oft wird auch gar nichts versandt. Viagogo verspricht zwar, Tickets zuzusenden, sagt Verbraucherschützerin Halm. Die Garantie sei aber irreführend und nutzlos. Reklamieren bringt nichts, die Ticketbörsen blocken Nachfragen ab, auch Abmahnungen laufen ins Leere. Manche Anbieter haben ihren Sitz zudem im Ausland, was Klagen noch zusätzlich erschwert. Vom Internet-Kauf zurücktreten kann man nicht. Veranstaltungen sind vom Widerrufsrecht ausgenommen. Wird ein Event abgesagt, geht der Käufer von Schwarzmarktkarten leer aus - während die Kunden der lizensierten Tickethändler meist ihr Geld zurückerhalten oder anders entschädigt werden.

Das Gesetz

Geprellte Verbraucher haben wenig rechtliche Möglichkeiten, sich zu wehren. Grundsätzlich ist es Privatleuten nämlich erlaubt, Tickets zu kaufen und sie weiterzuverkaufen. Selbst Aufschläge in moderatem Rahmen sind nicht verboten. Erst wenn Privatleute die Grenzen zum gewerblichen Handel überschreiten, wird ihr Tun illegal. Doch in der Realität agieren die Händler geschickt, treten unter Fantasienamen auf, legen stetig neue Accounts an, sodass man ihrer kaum habhaft wird. Schwarzmarktdealer agierten in einer rechtlichen Grauzone, hier sei der Gesetzgeber gefordert, sagt BDV-Justiziar Ulbricht. Die fragwürdigen Zweitmarktangebote seien "leider vom derzeitigen Recht gedeckt".

Der Ausweg

Wer sicher sein will, sollte Tickets nur aus autorisierten Quellen kaufen, empfiehlt Verbraucherschützer Gollner. Erst informieren, dann kaufen: Bewertungen im Netz könnten helfen, die Seriosität einer Verkaufsstelle einzuschätzen. Stars aus Rock, Pop und Klassik geben auf ihren Internetseiten Konzerte bekannt und verweisen oft auf lizensierte Ticketanbieter. Für Last-Minute-Angebote gibt es eigene Websites, die Benutzer auch informieren, wenn Karten verfügbar sind. Tickets für große Sportveranstaltungen werden meist über eigene Internetseiten angeboten wie etwa jüngst zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft in London. Auch viele Fußballklubs haben inzwischen eigene Zweitmarkt-Börsen eingerichtet.