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Konzernchef Kley im Gespräch:"Die Familie wünscht sich eine möglichst hohe Ausschüttung"

SZ: Wer trifft wichtige Entscheidungen: Sie oder die Familie?

Kley: Das kommt natürlich auf das Thema an. Alle operativen Entscheidungen trifft der Vorstand allein. Aber er kann zum Beispiel keine Kapitalerhöhung beschließen. Ganz grundlegende Entscheidungen kommen in den Gesellschafter- oder Familienrat. Wir denken in Generationen. Wenn etwas mal in die Hose geht, dann reagieren zwar auch wir sofort, aber wir schauen nicht völlig verschreckt und werden hektisch.

SZ: Die Familie will doch auch eine möglichst hohe Ausschüttung. Wie groß ist der Rückhalt auch für unpopuläre Entscheidungen - in schlechten Zeiten?

Kley: Merck ist doch kein Ponyhof, sondern ein Wirtschaftsunternehmen. Es ist klar: Wir stehen unter dem gleichen Leistungsdruck wie jede andere Firma. 30 Prozent der Anteile sind in Streubesitz und nicht bei der Familie. Ausschüttungsentscheidungen fallen daher nach denselben Kriterien wie bei Publikumsgesellschaften.

SZ: Oberstes Gebot bei Merck ist es, eigenständig zu bleiben. Können Sie angesichts der Megafusionen in der Pharmabranche überhaupt als mittelgroßer Anbieter allein bestehen?

Kley: Keine Sorge, wir werden klar kommen. Entscheidend ist, dass wir über Innovationen erfolgreich sind. Wir investieren in Forschung und Entwicklung. Und wenn unsere eingeleiteten Maßnahmen wirken, dann werden wir auch in fünf bis zehn Jahren erfolgreich sein. Es ist schön, über die Weihnachtsmärkte zu gehen und einzukaufen, aber für unser Pharmageschäft ist das nicht zwingend notwendig.

SZ: Was bedeutet das?

Kley: Wir haben lange Zeit nicht erfolgreich in Forschung investiert. Von den achtziger Jahren bis 2003 gab es kaum neue Medikamente, das war nicht gut. Wir haben nach dem Kauf der Schweizer Biotechfirma Serono viel geändert - die Ausrichtung, die Organisation, teilweise auch das Management. Alle Projekte wurden durchforstet. Die Frage war: Was hat halbwegs Chancen in absehbarer Zeit? Das verfolgen wir weiter. Heute haben wir 30 Medikamente in der Entwicklung. Unsere Pipeline ist derzeit die beste in der Geschichte von Merck.

SZ: Bei der Entwicklung neuer Medikamente hatten Sie zuletzt aber einige Rückschläge zu verkraften...

Kley: ... ganz grundsätzlich ist das eben Pharma-Alltag. Arzneimittel-Entwicklung ist risikoreich. Dass unser Medikament Erbitux nicht für die Indikation Lungenkrebs zugelassen worden ist, hat uns aber doch sehr erstaunt. Wir sind nach wie vor von der Wirksamkeit des Mittels überzeugt. Zudem fehlt den Patienten jetzt eine Alternative. Uns gehen Umsätze verloren. Aber wir werden prüfen, welche sinnvollen Möglichkeiten es da noch gibt. Klar: Das ist ein Rückschlag gewesen. Das ist nicht schön, aber es beunruhigt mich nicht.

SZ: Müssen Sie nicht Ihre Strategie für das Pharmageschäft ändern?

Kley: Wegen einer fehlgeschlagenen Registrierung eines Medikaments gleich die Strategie ändern? Nein, die Strategie bleibt unverändert.