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Konzept zur Steuerreform:Einkommensteuer

Steuererklärung 2000

Bei der Einkommensteuer will Kirchhof eine sogenannte Flat Tax von 25 Prozent einführen.

(Foto: dpa)

Kirchhof fasst die bisherige Einkommen- und die Körperschaftsteuer zu einer neuen, einheitlichen Einkommensteuer zusammen. Bürger und Unternehmen werden damit identisch behandelt. Auch wird in dem Reformmodell nicht mehr zwischen verschiedenen Einkunftsarten unterschieden, es ist vielmehr egal, ob jemand sein Einkommen aus Arbeitslohn, Vermietung oder Kapitalerträgen erzielt.

10.000 Euro pro Kopf gelten als steuerfreies Existenzminimum, bei einer Familie mit zwei Kindern greift der Fiskus also erst zu, wenn das Jahreseinkommen oberhalb von 40.000 Euro liegt. Im aktuellen Steuerrecht liegen die Freibeträge mit 8004 Euro je Erwachsenem und 7008 Euro je Kind etwas niedriger, allerdings gibt es neben dem Grundfreibetrag noch den Sparerfreibetrag, der bei Kirchhof entfällt. In der Summe kämen vor allem Familien mit Kindern im neuen Konzept besser weg.

Darüber hinaus verabschiedet sich Kirchhof vom sogenannten linear-progressiven Steuertarif, der das deutsche Steuersystem seit vielen Jahrzehnten kennzeichnet. Bei dieser Tarifart wird, vereinfacht gesagt, jeder zusätzlich verdiente Euro mit einem höheren Steuersatz belegt als der vorangegangene. Aktuell wird der erste Euro oberhalb des Grundfreibetrags, also der achttausendundfünfte, mit dem Eingangssteuersatz von 14 Prozent belastet. Mit jedem weiteren Euro steigt diese Belastung minimal an, bis bei 52.881 Euro der Spitzensteuersatz von 42 Prozent erreicht wird. Oberhalb von 250.731 Euro greift dann noch der sogenannte Reichensteuersatz von 45 Prozent.

Bei Kirchhof gilt ein Einheitssteuersatz von 25 Prozent, eine sogenannte Flat Tax - mit einer Besonderheit im unteren Einkommensbereich: Um sich gegen Kritik zu wappnen, sein Konzept sei sozial unausgewogen, will der Jurist das Einkommen zwischen 10.001 und 15.000 Euro nur mit 15 und den Verdienst zwischen 15.001 und 20.000 Euro mit 20 Prozent belasten. Das ist allerdings pure Kosmetik. Politisch schwer wiegen dürfte auch, dass Dividenden steuerfrei bleiben, weil sie aus Gewinnen stammen, die bereits beim Unternehmen versteuert wurden.

Großbetriebe sollen nach dem Willen des Reformers statt 15 Prozent Körperschaftsteuer ebenfalls den neuen Einkommensteuersatz von 25 Prozent zahlen. Dafür fällt die Gewerbesteuer weg, die bisher je nach Gemeinde zwischen sieben und gut 17 Prozent liegt. Stattdessen wird ein Zuschlag auf die Einkommensteuer erhoben, den sowohl alle Bürger als auch alle Betriebe zahlen müssen und der allein der jeweiligen Stadt oder Gemeinde zugute kommt. In der Summe dürften sich die Unternehmen besser stellen als heute. Sie sollen sich allerdings nicht mehr so leicht arm rechnen können, wie das derzeit der Fall ist, sondern ihren Gewinn tatsächlich voll versteuern.

Ein weiteres Plus: Mit der Reform schafft Kirchhof Rechtsformneutralität. Die Eigentümer einer Firma können also allein anhand ökonomischer Kriterien entscheiden, ob sie den Betrieb als Personen- oder als Kapitalgesellschaft organisieren. Die Entscheidung wird nicht mehr durch steuerliche Erwägungen verzerrt.

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