Kontoauszüge Warum so viele mit ihren Kontoauszügen hadern

Viele Menschen fürchten die kryptischen Zahlen und Kürzel auf ihrem Kontoauszug. Dabei ist die Kontrolle wichtig.

(Foto: Lisi Niesner/Reuters)
  • Banken sind verspflichtet, ihren Kunden Auszüge für die Konten zu erstellen.
  • Für viele sind sie ein Ärgernis, weil oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich wird, wer auf dem Konto herumbucht.
  • Einige Apps helfen mittlerweile, leichter den Überblick zu wahren.
Von Felicitas Wilke und Hans von der Hagen

Mit kaum einem Schriftstück hadert Luca Toralli so sehr wie mit seinem Kontoauszug. Nicht etwa, weil die Zahlen so schlimm wären. Doch für Toralli ist das, was er auf den Auszügen sieht, ein Ärgernis. Ein wilder Mix von Abkürzungen, kryptischen Namen. "Auf dem Weg nach Hause kaufe ich noch öfters im Edeka-Markt ein", sagt Toralli, der in Wirklichkeit anders heißt. "Aber das Wort Edeka taucht auf meinen Kontoauszügen nicht auf. Stattdessen steht da nur irgendein Name.

Wahrscheinlich ist es der Name des Geschäftsbesitzers, doch warum steht nicht zusätzlich irgendwo noch Edeka dort?" Es ist nicht so, dass Toralli nachlässig in Gelddingen wäre. Der 46-Jährige besitzt sämtliche Kontoauszüge, die er je bekommen hat: die typischen schmalen Zettel, die es früher gab, dann die Auszüge im DIN-A-4-Format und nun die elektronischen, die er als PDF-Dokument erhält. Aber mittlerweile schaut er sie nur noch ein bis zwei Mal im Jahr an. Dann versucht er manchmal, einzelne, ihm seltsam vorkommende Ausgaben nachzuvollziehen. Aber mehr Kontenkontrolle tut sich Toralli nicht mehr an.

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Früher hatten Bankkunden derlei Probleme nicht. Vor rund 100 Jahren war es üblich, dass Kunden ein sogenanntes Kontogegenbuch führten, in das sie ihre Verfügungen und Geldeingänge notierten. "Es wurde empfohlen, dass der Kunde mindestens einmal im Monat zur Sparkasse ging, um seine Eintragungen mit den tatsächlich erfolgten Transaktionen abzugleichen", sagt Thorsten Wehber, Leiter des Sparkassenhistorischen Dokumentationszentrums. Später setzte sich der Kontoauszug immer mehr durch. Manche holten ihn in der Filiale ab, andere ließen ihn sich nach Hause schicken oder druckten ihn von 1975 an einfach selbst aus. Damals nahm der erste Kontoauszugsdrucker Europas in Köln seinen Betrieb auf.

Im Jahr 2019 gibt es den Kontoauszug immer noch, auch wenn er bei vielen Menschen nicht mehr im Briefkasten, sondern als PDF im Online-Banking-Postfach landet. Allerdings besteht das Schreiben heute aus spürbar mehr Einträgen als vor 20 Jahren. Das liegt vor allem daran, dass inzwischen deutlich mehr Menschen ihre Einkäufe mit der Karte bezahlen.

Die zehn Euro für die Lebensmittel aus dem Supermarkt finden sich genauso in der Aufstellung wieder wie das neue Kleid für 100 Euro, wenn die Rechnungen mit Bezahlkarten wie der Girocard (ehemals EC-Karte) beglichen wurden. Außerdem kaufen heute viele Menschen zumindest gelegentlich im Internet ein oder buchen dort ein Zugticket, einen Flug oder gleich eine ganze Reise. Anders als die Barzahlung beim Bäcker wird jede dieser Zahlungen im Kontoauszug dokumentiert.

Das kann den Verbrauchern helfen, den Überblick über ihre Finanzen zu wahren und gegebenenfalls auch mal einen Kauf im Geschäft zu dokumentieren, wenn ein Beleg verloren ging. Die schiere Unübersichtlichkeit kann aber auch zu Resignation führen, ähnlich wie bei Toralli. Um keine wichtigen Transaktionen zu übersehen, sollten Bankkunden wissen, was im Kontoauszug überhaupt drinstehen muss. Auch wenn sich das Layout von Bank zu Bank unterscheiden kann, bestimmte Informationen sind darin immer zu finden: etwa der Betrag, das Datum der Transaktion sowie das Datum der Wertstellung, auch Valuta genannt. Das ist der Tag, ab dem ein Betrag gegebenenfalls verzinst wird. Zudem ist die Art der Buchung vermerkt, also zum Beispiel, ob es sich um eine Überweisung oder eine Bargeldauszahlung handelt.

Außerdem finden sich Informationen dazu, wer den Betrag überwiesen oder eingezogen hat. Nicht immer ist dies aber so gut erkennbar wie beim Arbeitgeber, dem Sportverein oder einer Supermarktkette. Wenn spezialisierte Zahlungsdienstleister wie Ratepay, Logpay oder Adyen die Transaktion abwickeln, erscheint oft deren Name im Kontoauszug. Welche Transaktion tatsächlich dahintersteckt, können Bankkunden dann nicht immer auf den ersten Blick erkennen. "Auf dem Kontoauszug muss nur stehen, wer die Zahlung abgewickelt hat, nicht aber, mit wem der Kunde ursprünglich einen Kaufvertrag abgeschlossen hat", sagt Michael Herte, Experte für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.