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Kontogebühren:Mit den ärmsten Kunden darf nicht am meisten Kasse gemacht werden

Capital controls in Greece

Ein Konto bereitzustellen kostet Geld. Es ist aus der Sicht der Institute nachvollziehbar, diese Kosten an die Kunden weiterzugeben.

(Foto: dpa)

Es ist nachvollziehbar, dass Direktbanken wie die ING neue Kontogebühren einführen. Dreist aber ist es, sozial schlechtergestellte Kunden zu benachteiligen.

Man stelle sich einen Bäcker vor, der jahrelang kostenlos Brötchen an alle verteilt hat. Mit der Zeit wird ihm klar, dass viele Kunden nur noch hinter seinen Gratisbrötchen her sind und nur wenige zu den Brezen und Zimtschnecken greifen, für die er Geld verlangt. Er beschließt, dass nicht mehr jeder kostenlos Brötchen bekommt, sondern nur noch seine Stammkunden. Kein Mensch könnte es dem Bäcker verübeln.

Genauso wenig sollte man es einem Banker krummnehmen, wenn er neuerdings nicht mehr kostenlose Girokonten an alle vergibt: Die Direktbank ING bietet ihren Kunden von Mai an nur noch unterbestimmten Bedingungen ein kostenloses Girokonto an. Monatlich müssen mindestens 700 Euro darauf eingehen. Wenn die Bank weiß, was ihre Kunden verdienen und wie es um ihr Geld steht, kann sie ihnen weitere Angebote machen und so Geld verdienen. Keine Leistung ohne Gegenleistung: Das mag in einer Freundschaft kein schöner Ansatz sein, im Geschäftsleben ist es ein legitimer.

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Die Direktbanken haben in den vergangenen Jahren viele Kunden mit kostenlosen Konten und Karten gewonnen. Doch viele Verbraucher blieben nebenher auch bei ihrer Hausbank und eröffneten dort ein Depot oder nahmen einen Kredit auf. Sie nutzten die günstigen Angebote der Direktbanken aus. Auch das ist legitim, doch die Institute müssen dabei nicht dauerhaft zusehen. Mit den fast schon abschreckend hohen 4,90 Euro, die die ING nun monatlich von passiven Kunden verlangt, signalisiert sie ihnen: Wir wollen euch ganz - oder ihr zahlt.

Bei vielen Filialbanken ist das längst Normalität, hier müssen Kunden auch dann häufig für das Girokonto zahlen, wenn sie der Bank treu sind. Was für den Bäcker das Mehl und die Hefe sind, ist beim Banker die IT-Infrastruktur oder die Service-Hotline. Ein Konto bereitzustellen kostet Geld. Es ist aus der Sicht der Institute nachvollziehbar, diese Kosten an die Kunden weiterzugeben.

Ausgerechnet bei Kontomodellen, die sozial schlechtergestellten Menschen gesetzlich zustehen, langen Banken zu

Nicht akzeptabel ist es hingegen, mit den ärmsten Kunden am meisten Kasse zu machen - und Gratisangebote nur Wohlhabenden zu machen. So ist das kostenlose Girokonto bei der Postbank an einen monatlichen Geldeingang von 3000 Euro gebunden. Nicht 700 Euro wie bei der DKB oder ING, nein, 3000 Euro. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Nettogehalt von Menschen in Deutschland liegt bei weniger als 2000 Euro. Während die Wohlhabenden sich am Gratiskonto erfreuen, zahlen die anderen in einem Kontomodell mit weniger Leistungen monatlich 4,90 Euro. Das ist unsozial und dreist - und leider kein Einzelfall.

Auch bei ihren sogenannten Basiskonten langen viele Institute zu. Ausgerechnet bei den Kontomodellen also, die sozial schlechtergestellten Menschen gesetzlich zustehen, etwa Hartz-IV-Empfängern oder Asylsuchenden. In aller Regel dürfen diese Kunden ihr Konto nicht überziehen, stellen also kein sehr großes Risiko für die Banken dar. Dennoch erheben manche Institute mehr als 100 Euro jährlich an Gebühren. Ob das "ein angemessenes Entgelt" ist, wie es schwammig im Gesetz steht, ist mindestens fraglich. Unanständig ist es in jedem Fall, arme Menschen höher zu bepreisen als reiche.

Auch bei der ING werden sozial schlechtergestellte Kunden punktuell benachteiligt. Den Menschen, die ein Basiskonto haben, steht nicht die kostenlose Kreditkarte zu, mit der sie an den meisten Geldautomaten kostenlos abheben können. Es wäre sinnvoll und nötig, wenn auch diese Kundengruppe die dafür notwendige Karte bekäme - wenn schon nicht als Kreditkarte, dann auf Guthabenbasis. Dennoch setzt die Direktbank ein wichtiges Signal. Das Basiskonto bleibt kostenlos, auch wenn keine 700 Euro monatlich darauf eingehen.

Ist doch gut so.

© SZ vom 08.02.2020/vit
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