Konsum:Noch mal schnell shoppen

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Die Inflationssorgen der Deutschen schüren vor Weihnachten die Kauflust, zeigt eine neue Studie der Gesellschaft für Konsumforschung.

Viele Menschen in Deutschland geben derzeit mehr Geld aus, weil sie Angst vor einem Preisauftrieb haben. Das ist ein Ergebnis einer Studie des Nürnberger Konsumforschungsunternehmens GfK. Die Kauflust führt demnach zu einem Konsumklima, das so gut ist wie seit April 2020 nicht mehr.

Die abgeschwächten Erwartungen hinsichtlich der Einkommen der privaten Haushalte und der allgemeinen Konjunktur konnten die derzeitige positive Grundstimmung somit nicht beeinträchtigen. Im Vergleich zum Vormonat habe sich insgesamt noch einmal eine leichte Verbesserung ergeben. "Die Bundesbürger erwarten offenbar noch weitere Preissteigerungen. Deshalb halten sie es für ratsam, Anschaffungen vorzuziehen, um noch höhere Preise zu vermeiden", sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. "Sollte sich der Preisauftrieb verstetigen, würde das allerdings zu einer Belastung für das Konsumklima führen und eine grundlegende Erholung dürfte sich weiter verzögern."

Während die Anschaffungsneigung derzeit steige und die Sparneigung sinke, wachse bei den Menschen aber auch die Skepsis bezüglich des Einkommens der Haushalte und bezüglich der allgemeinen konjunkturellen Lage. Letzteres sei vor allem bedingt durch die Produktionsausfälle etwa in der Autoindustrie. Dort fehlen wichtige Rohstoffe wie Computerchips. Die Produktionen wurden teilweise heruntergefahren, viele Mitarbeiter befürchten Kurzarbeit.

Hinzu kommt: Die Preise deutscher Hersteller klettern derzeit vor allem wegen teurer Energie von Rekord zu Rekord. Zuletzt stiegen sie im September um 14,2 Prozent und damit so stark wie seit fast 47 Jahren nicht mehr. Auch die deutschen Importe haben sich wegen deutlich höherer Preise für Öl, Gas und einige Lebensmittel wie Kaffee mit 17,7 Prozent so stark verteuert wie seit mehr als 40 Jahren nicht. Die Produzenten- und Einfuhrpreise gelten als Vorläufer für die Inflation. Diese liegt mit 4,1 Prozent bereits so hoch wie zuletzt 1993 und könnte sich laut Ökonomen künftig in Richtung fünf Prozent bewegen.

"Inflation dürfte auch 2022 ein großes Thema bleiben", sagte LBBW-Analyst Jens-Oliver Niklasch. Spannend sei, wie stark sich der Effekt auf die Waren des privaten Konsums auswirke. Die Debatte um Verteilungsgerechtigkeit und die Abfederung sozialer Härten für Geringverdiener dürfte die künftige Bundesregierung noch länger beschäftigten, so Niklasch. Er verwies auf jüngste Vorschläge über Heizkostenzuschläge oder eine höhere Pendlerpauschale, weil Heizen und Tanken zuletzt deutlich teurer geworden ist.

Alles in allem liege die Konsumstimmung aktuell jedenfalls über dem Niveau des Vorjahres, so Konsumforscher Bürkl: "Das gute Niveau belegt, dass die Verbraucher zuversichtlich bleiben, was die Erholung der deutschen Wirtschaft anbelangt."

Zwischen dem 30. September und dem 11. Oktober haben die GfK-Forscher 2000 Verbraucherinterviews geführt. Die Studie ist Teil einer Langzeit-Untersuchung, die von der EU-Kommission in Auftrag gegeben wurde.

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