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Konsum:Erstmal in den Baumarkt

Die Branche profitiert teilweise vom Shutdown, die Getränkeindustrie warnt dagegen vor Hamsterkäufen. Angeblich werden massenweise Getränkekisten in Kellern und Kammern gehortet.

Die Baumärkte in vielen Regionen Deutschlands profitieren derzeit von der Coronavirus-Krise. "Die Leute kaufen alles, was es bei uns gibt. Balkonpflanzen ebenso wie Laminat und Gasflaschen", sagte eine Mitarbeiterin der Baumarkt-Kette Bauhaus. Offenbar planen viele, Haus oder Garten in den kommenden Wochen auf Vordermann zu bringen oder Renovierungsarbeiten durchzuführen, wenn sie ohnehin zuhause bleiben müssen.

Baumärkte dürfen bislang trotz der starken Einschränkungen für den Handel in einigen Ländern geöffnet bleiben, etwa in Baden-Württemberg. In Bayern mussten sie jedoch am Wochenende schließen, was zu einem Ansturm im Grenzgebiet zu Baden-Württemberg führte. Ketten wie Bauhaus und Hornbach haben wegen der Ansteckungsgefahr strenge Reglementierungen eingeführt und lassen nur eine bestimmte Zahl von Kunden in die Märkte. Es sei gelungen, den Ansturm in den vergangenen Tagen in den Griff zu bekommen, sagte ein Hornbach-Sprecher. "Die Menschen bevorraten sich", sagte er. "Sie bleiben ja vermehrt zu Hause und wollen sich beschäftigen." Gekauft werde viel Tierfutter, es seien aber auch Masken, Handschuhe, Schutzbekleidungen und Reinigungsmittel gefragt.

Vor Hamsterkäufen hat die Getränkeindustrie gewarnt. Nach Einschätzung der Branche werden massenweise Getränkekisten in Kellern und Kammern gehortet. Verbraucher sollten beim Einkauf das genutzte Leergut bei Mehrweg, Flaschen ebenso wie Kästen, "so bald wie möglich wieder über den Handel zurückzubringen", fordern nun große Verbände wie der Deutsche Getränke-Einzelhandel, der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels (GFGH) und der Verband Deutscher Mineralbrunnen in einer gemeinsamen Erklärung. Es müsse ausreichend Leergut in den Kreislauf des Mehrwegsystems zurückkommen, sagt Julian Schwarzat vom GFGH.

Es gebe aber trotzdem noch Nachschub, versicherten die Branchenvertreter. Angespannt sei die Lage aber vor allem bei Mineralwasser, wenngleich das System nicht vor dem Kollaps steht, wie betont wurde. Es gebe keinen Grund, kistenweise Flaschen zu horten. "Mehrwegsysteme funktionieren nur, wenn das Leergut auch zurückgegeben wird", warnt auch Ulrich Lössl, der Geschäftsführer der Bad Dürrheimer Mineralbrunnen Gesellschaft. Der Rücklauf von leeren Kisten sei derzeit wegen der wachsenden privaten Lagerhaltung aber sehr schleppend.

Angesichts der Coronavirus-Krise erwartet der thailändische Einzelhandelskonzern Central, zu dem unter anderem das Nobelkaufhaus KaDeWe in Berlin gehört, einen weiter zunehmenden Online-Handel. Viele Kunden entdeckten den Internetkauf jetzt, sagte Vorstandsmitglied Sudhitham Chirathivat in Bangkok. "Viele, die noch nicht daran gewöhnt sind, sagen sich jetzt vielleicht, es ist nicht schlecht und macht Spaß, und sie können rund um die Uhr einkaufen", meinte er. In Deutschland verfolgt das Unternehmen ungeachtet der Coronavirus-Krise seine Pläne weiter. Im September 2022 soll das neue Kaufhaus im Düsseldorfer Carsch-Haus öffnen. Bei allen Central-Standorten in Deutschland wird demnach umgebaut, das Alsterhaus in Hamburg sei fast fertig. Beim KaDeWe setzt das Unternehmen etwa auf die Essensabteilung und Luxusmarken.

Der Kaufhauskonzern aus Thailand muss derzeit wegen der Viruskrise in seinem globalen Geschäft mit vielen Schließungen fertig werden, so in Berlin, Rom und auch in Bangkok, wo seit Sonntag die Einkaufszentren ebenfalls dicht sind. Die Einbrüche bei den Besucherzahlen seien gewaltig, räumte Chirathivat ein. Die Gruppe ist auch am Alsterhaus in Hamburg und an Oberpollinger in München beteiligt.

Der Onlinehänder Amazon nimmt in Italien und Frankreich jetzt keine Bestellungen mehr für einige Artikel an, die nicht für das tägliche Leben wichtig sind. "Wir müssen unsere vorhandene Kapazität auf Artikel von höchster Priorität fokussieren", erklärte ein Sprecher des Online-Händlers am Sonntag.

© SZ vom 23.03.2020 / SZ, dpa

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