Konsum Besteuert das Plastik!

Plastik ist ein gewaltiges Problem für die Meere. Eine Steuer könnte den Verbrauch senken.

(Foto: dpa)

Wer den Verbrauch von Kunststoffen reduzieren will, wird mit freundlichen Appellen nicht weit kommen. Der Staat muss einen Anreiz schaffen - durch höhere Preise.

Essay von Pia Ratzesberger

Vor ein paar Wochen kursierte das Bild eines Grindwals in den sozialen Netzwerken. Ein dunkles Tier im Wasser, kurz vor seinem Tod spuckt es Plastik. Eine Kunststofftüte nach der anderen würgt der Wal nach oben, und als die Ärzte ihm später den Bauch aufschneiden, finden sie noch mehr. Acht Kilo Plastik. In Form von 80 Kunststofftüten.

Die Bilder stammten aus Thailand, und es mag auf den ersten Blick beruhigend sein, dass der meiste Plastikmüll nicht aus Europa, sondern aus Asien kommt. Tote Wale, mit Mägen voller Plastik, wurden aber auch schon vor der Küste Spaniens und Norwegens gefunden. 500 000 Tonnen Plastikmüll treiben von Europa aus jedes Jahr in die Meere.

Der Wunderstoff Plastik, der so vieles möglich macht, ist überall dort angekommen, wo man ihn nie haben wollte: im Körper von Fischen und im Blut von Muscheln, im Wasser von Seen und Flüssen, in den Böden und auf den Feldern. Es vergeht keine Woche, in der nicht in irgendeinem Video im Internet die schädlichen Folgen von Plastik zu sehen wären. Warum also kriegen wir es trotzdem nicht hin, auf Plastik zu verzichten?

"Wo es Plastik gibt, wird der Mensch Plastik kaufen"

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Man muss sich nur einmal umsehen. Pullover sind heute aus Plastik, Zahnpastatuben, Steckdosen, Zelte, Lampenschirme, Wasserkocher, Sofas, künstliche Gebisse und Armaturenbretter. Im Supermarkt steht man vor Regalen voller Plastikbecher, Plastikbeutel, Plastikflaschen. Auf der Welt wird heute zweihundert Mal so viel Plastik hergestellt wie in den Fünfzigerjahren. Damals waren es 1,5 Millionen Tonnen, jetzt sind es 322 Millionen Tonnen im Jahr. In den nächsten 20 Jahren soll sich die Menge noch einmal verdoppeln.

Natürlich könnte jeder für sich versuchen, auf Plastik zu verzichten. Man könnte zu einem der neuen verpackungsfreien Supermärkte fahren, eigene Glasflaschen und Edelstahlboxen mitbringen, den Einkauf darin nach Hause tragen. Das wäre ein Anfang, aber ein Leben ganz ohne Plastik, wie es in vielen Blogs und Büchern gerade besprochen wird, wird es nie wieder geben.

Die Frage ist deshalb nicht, wie kriegen wir das Plastik weg? Sondern, wie gehen wir besser mit dem Plastik um? Die eine Antwort lautet: Mit Entlastungen für all jene Firmen, die weniger Plastik verbrauchen und weniger davon für ihre Verpackungen verwenden - sodass künftig weniger Müll entsteht. Die andere lautet: Mit einem klügeren Recycling all jenes Plastikmülls, den es trotzdem geben wird. Beides wird nicht von selbst gelingen, wird sich nicht durch gut gemeinte Appelle erreichen lassen; sondern dafür muss der Staat eingreifen.

Dass Kunststoffe so verbreitet sind, hat einen guten Grund

Wer meint, ein plastikfreies Leben sei möglich, der vergisst, warum Kunststoffe so erfolgreich geworden sind. Sie sind leichter als Holz und Glas, sie passen sich den verschiedensten Erfordernissen an, können hart sein und weich. Kunststoffe machen das Leben einfacher, oftmals auch billiger. Zudem ist es nicht so, dass sie ausschließlich der Umwelt schaden, sondern sie ermöglichen auch vieles, was dem Schutz der Umwelt dient, sie stecken zum Beispiel in Elektroautos oder Windkraftanlagen.

Der Unterschied zwischen einer Windkraftanlage und einer Plastikflasche ist nur, dass die Windräder sehr viel länger genutzt werden - und ihre Bilanz für die Umwelt deshalb eine bessere ist. Plastik besteht zwar aus organischem Material, die Grundstoffe fallen zum Beispiel bei der Gewinnung von Erdöl und Erdgas an, ehe sie künstlich verbunden werden. Trotzdem fügt sich Plastik nicht in den Kreislauf der Natur ein. Eine PET-Flasche braucht Schätzungen zufolge 450 Jahre, bis sie zerfällt, eine Windel ebenso, eine Angelschnur gar 600 Jahre.