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Konsortium übernimmt insolventen Autobauer:Saab wird elektrisch

Plötzlich gibt es nun doch einen Investor. Ein asiatisches Konsortium übernimmt den insolventen Automobilkonzern Saab - und plant, das schwedische Unternehmen tüchtig umzukrempeln.

Einst waren die Autobauer von Saab für ihre Turbolader und Cabrios bekannt. Nun sollen die Angestellten in der Fabrik in Trollhättan Elektroautos fertigen. Das zumindest plant das chinesisch-japanische Konsortium National Electric Vehicle Sweden (Nevs), das am Mittwoch nach langen Verhandlungen übernahm, was von dem insolventen Unternehmen übrig ist. Schon Ende 2013 wollen die neuen Eigner ein strombetriebenes Auto auf den Markt bringen, sagten Konkursverwalter und Käufer.

Seit Monaten wurde spekuliert, was wohl mit den Resten des Unternehmens passieren würde, das im vergangenen Dezember Pleite ging. Sieben potenzielle Käufer sollen um die Übernahme gestritten haben. Saab gehörte bis 2009 zu General Motors; der amerikanische Konzern stieß die unprofitable Tochterfirma aber während der Finanzkrise ab.

Es übernahm die Sportwagenmanufaktur Spyker, der nach zwei Jahren das Geld ausging. Seither versuchten die Konkursverwalter, die Reste Saabs zu verkaufen. Man habe gezielt nach Käufern gesucht, die das gesamte Unternehmen übernehmen, erklärten die mit der Abwicklung beauftragten Anwälte.

Hinter dem Konsortium Nevs, das für die Saab-Übernahme gegründet wurde, stehen der chinesisch-schwedische Geschäftsmann Kai Johan Jiang und seine in Hongkong ansässige Firma Dragon Base Holding. Sie finanziert vor allem Energieprojekte in China und hält über ein Tochterunternehmen auf den britischen Virgin Islands nun 51 Prozent an Nevs. 49 Prozent gehören der japanischen Beteiligungsgesellschaft Sun Investment.

Aufsichtsratschef des Konsortiums ist Karl-Erling Trogen, der ebenso wie Jiang selbst früher für den Lkw-Hersteller Volvo gearbeitet hat. Nevs kaufte alle Immobilien, Maschinen und Entwicklungseinrichtungen von Saab. Vom Geschäft ausgeschlossen sind die Vertriebsgesellschaft für Ersatzteile, die derzeit dem schwedischen Staat gehört, und die Rechte am Modell 9-5, die zum Teil noch General Motors gehören.

Nevs-Chef Jiang erklärte in Trollhättan kurz seine Strategie: Er wolle mit schwedischem Know-How und japanischer Spitzentechnologie Elektroautos vor allem für den chinesischen Markt bauen. Ein erster Strom-Pkw auf Basis des Saab-Modells 9-3 solle Ende 2013 in Trollhättan vom Band laufen. Wie viele der etwa 3000 Arbeitsplätze das retten wird, die es vor der Pleite bei Saab gab, blieb ebenso unklar wie die Frage, ob die Autos auch künftig Saab heißen werden. Zunächst benötige man für das Elektroauto-Projekt nur "einige hundert" Beschäftigte, sagte Nevs-Aufsichtsratschef Trogen.

Über den Preis wird geschwiegen. Die Konkursverwalter hatten im April die Vermögenswerte des Pleiteunternehmens auf umgerechnet gut 400 Millionen Euro beziffert - dem stehen allerdings Milliardenschulden gegenüber.

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