bedeckt München 17°

Konsequenz aus Libor-Skandal:Ende des Billionen-Zins-Kartells

Den Banken wird ein unlauteres Spielzeug weggenommen. Jahrelang haben einige von ihnen den Zinssatz Libor manipuliert. Nun soll das Image des wichtigen Referenzzinses aufpoliert werden. Künftig ist der New Yorker Börsenbetreiber zuständig. Er zahlt dafür ein Pfund.

Nach dem Skandal um Manipulationen des Libor-Zins wird dieser künftig statt in London in New York festgelegt. Man habe sich einstimmig entschieden, die Verwaltung des wichtigen Referenz-Zinssatzes an eine neue Tochter der New Yorker Börse, die NYSE Euronext Rates Administration, abzugeben. Das teilte die British Bankers' Association (BBA) mit, in der Großbanken bisher praktisch ohne Kontrolle den Libor festlegten. Damit folge man den Empfehlungen der Kommission, die als Reaktion auf den Skandal eingesetzt worden war. Der Referenz-Zinssatz werde weiterhin von den britischen Finanzbehörden reguliert.

Börsenbetreiber NYSE Euronext bestätigte die Nachricht in einer Pressemitteilung. Der Transfer von der BBA Libor Ltd, die den Zinssatz bislang festgelegt hat, solle bis Anfang 2014 abgeschlossen werden.

Die Aufseher tüfteln seit Monaten an Ideen, wie sich die Glaubwürdigkeit des Libor wieder herstellen lässt. Er ist einer der wichtigsten Referenzzinssätze für Hypotheken und andere Kredite. Der Libor-Zinssatz gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Von ihm hängen weltweit Finanzgeschäfte im Volumen von mehreren hundert Billionen Dollar ab. Er wird einmal täglich ermittelt und beruhte bislang auf den Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten. Jahrelang hatten etliche Geldhäuser ihn falsch angegeben, um den Ausgang ihrer Finanzwetten positiv zu beeinflussen - und sich so einen Vorteil vor anderen Marktteilnehmern verschafft. Zudem sollen sich mehrere Großbanken bei der Festlegung des Libor abgesprochen haben.

Nach einem Bericht des Senders Sky News zahlt NYSE Euronext an die in Verruf geratene Firma BBA Libor die symbolische Summe von einem Pfund. Auch der Finanzdienstleister Thompson Reuters hatte Interesse bekundet, der die Libor-Daten bislang für den britischen Bankenverband eingesammelt hat.

Seit 2012 gehen Finanzaufseher weltweit gegen die Manipulatoren vor. Die Banken RBS, UBS und Barclays wurden zu historisch hohen Strafen verurteilt - insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro. Die deutsche Aufsicht Bafin untersucht Manipulationen durch die Deutsche Bank.

© Süddeutsche.de/dpa/Reuters/sks/jab/rus

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite