Konkurrenz durch Billigflieger:Lufthansa kündigt harten Sparkurs an

Brisanter Brief an die Mitarbeiter der Lufthansa: Die Airline will das Ergebnis im Passagiergeschäft um jährlich fast eine Milliarde Euro verbessern. Sie legt das komplette Geschäft außerhalb der großen Drehkreuze mit der Billigtochter Germanwings zusammen. Außerdem soll das Wachstum der Flotte gestoppt werden.

Jens Flottau, Frankfurt

Die Lufthansa will mit drastischen Sparmaßnahmen das Ergebnis im Passagiergeschäft um fast eine Milliarde Euro jährlich verbessern. In einem brisanten Brief an die Mitarbeiter, der der SZ vorliegt, skizziert Passagier-Vorstand Carsten Spohr, wo es hingeht: Die Flotte soll in den nächsten drei Jahren nicht mehr wachsen. Dafür hat sich das Unternehmen einen harten Sparplan verordnet. So soll das komplette Geschäft außerhalb der großen Drehkreuze München und Frankfurt mit der Billigtochter Germanwings zusammengelegt und Strecken gestrichen werden. Außerdem wird bei vielen Langstreckenflügen die First Class abgeschafft.

Lufthansa - Airbus A380

Lufthansa hatte im vergangenen Jahr einen Netto-Verlust von 13 Millionen Euro gemacht.

(Foto: dpa)

Die Vorhaben, die zum Teil noch nicht formal beschlossen sind, sind Teil des Anfang des Jahres angekündigten SCORE-Programmes, durch das Lufthansa den Gewinn ab 2014 um 1,5 Milliarden Euro steigern will. "Unsere Rendite ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken", schreibt Spohr. "Im Jahr 2011 haben wir gerade noch ein Prozent unseres Umsatzes (...) als Gewinn erwirtschaften können. Dass diese Marge in einer so investitionsintensiven Branche wie dem Luftverkehr nicht ausreicht, bedarf keiner weiteren Erläuterung", findet der Lufthansa-Vorstand.

Lufthansa hatte im vergangenen Jahr einen Netto-Verlust von 13 Millionen Euro gemacht. Spohr macht für die schlechte Entwicklung vor allem die Konkurrenz durch die Billigfluggesellschaften und neue Anbieter auf der Langstrecke wie die stark wachsenden Airlines vom Persischen Golf verantwortlich. Die bisherigen Konzernstrukturen seien vor diesem Hintergrund nicht mehr haltbar. Lufthansa habe in diesem Jahr bereits drei Langstrecken einstellen müssen. "Wir müssen unbedingt verhindern, dass den nächsten gefährdeten Strecken nach Nanjing, Chennai und Bangkok das gleiche Schicksal widerfährt."

Lufthansa dampft mit den Einschnitten ihr ursprünglich geplantes zweistelliges Wachstum in diesem Jahr komplett ein. 2013 und 2014 wird das Angebot um höchstens vier Prozent steigen, aber nur deswegen, weil größere Flugzeuge kleinere ablösen. Wesentliche Änderungen betreffen die Flotte: Die Zahl der Flugzeugtypen im Europaverkehr soll von derzeit sechs auf vier reduziert werden. Künftig wird das kleinste Lufthansa-Flugzeug 90 Sitze haben (Regionalpartner nicht mitgerechnet). Die Boeing 737-Flotte soll künftig nur noch von Frankfurt aus eingesetzt werden und 2016 ausgemustert werden.

First Class wird weitgehend abgeschafft

Alle Standorte außer München und Frankfurt sollen mit der Billigfluggesellschaft Germanwings zusammengelegt werden. Einem Sprecher zufolge ist noch unklar, ob dies unter dem Dach von Germanwings oder dem von Lufthansa geschieht. Die Flotte in diesem Segment soll auf ein Modell (Airbus A320) vereinheitlicht werden. Auch eine Entscheidung über die künftige Marke ist noch nicht gefallen. Lufthansa hatte das eigene Angebot mit dem von Germanwings zuletzt immer mehr verflochten, war aber vor einer echten Fusion lange zurückgeschreckt.

Für die Passagiere ändert sich vor allem auf der Langstrecke Einiges: Auf einem großen Teil der Großraumflugzeuge will sie künftig keine First Class mehr anbieten. Diese soll es nur noch auf Strecken geben, auf denen mit dem luxuriösen Produkt wirklich Geld zu verdienen ist. Stattdessen erwägt die Fluggesellschaft, eine sogenannte Premium Economy Class einzuführen. Dabei handelt es sich um eine aufgewertete Economy Class, die aber nicht an das Niveau der Business Class heranreicht. Lufthansa hatte diesen Schritt über viele Jahre abgelehnt, um zu verhindern, dass preisbewusste Geschäftsreisende aus der wesentlich teureren Business Class auf die günstigeren Sitze abwandern. Viele Konkurrenten wie British Airways oder Qantas bieten solch ein Produkt aber bereits seit Jahren an und haben nach eigenen Angaben damit auch großen Erfolg.

Von den rund 900 Millionen Euro, um die Lufthansa ihr Ergebnis im Passagiergeschäft steigern will, sollen rund 300 Millionen durch höhere Umsätze erreicht werden und 600 Millionen durch niedrigere Kosten. Dies könne zum Beispiel dadurch erreicht werden, wenn gleichzeitig der Treibstoffverbrauch, die Personalkosten, die Gebühren und die Kosten für Wartung oder Catering um fünf Prozent sinken. Spohr macht in seinem Schreiben deutlich, dass Lufthansa weitere Milliardeninvestitionen etwa in neue Langstreckenmaschinen erst dann beschließen werde, "wenn erste Erfolge der oben beschriebenen Maßnahmen erkennbar sind". Spohr äußerte sich nicht zum Thema Entlassungen.

© SZ vom 21.04.2012/rela
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