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Konjunkturprognosen für Deutschland:Von nun an geht's bergab

Schlechte Aussichten: Nacheinander senken die Forschungsinstitute ihre Prognosen für das deutsche Wachstum. Zum ersten Mal seit 2009 könnte die Wirtschaft schrumpfen. Wird das nur eine Winterdelle - oder ist das bereits der Beginn der Rezession?

Es geht bergab mit Deutschlands Wirtschaft - sagen die Konjunkturforscher. Nach den renommierten Instituten HWWI und IfW haben auch die Mitarbeiter des RWI-Institutes sowie des Institutes für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ihre Prognosen gesenkt. Das Berliner DIW will schon bald folgen.

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Die guten Jahre sind vorbei: Bereits diesen Winter droht der deutschen Wirtschaft nach Einschätzung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle eine neue Rezession.

(Foto: dpa)

Für 2012 geht das RWI von einem weiteren Rückgang des Wirtschaftswachstums auf nur noch ein Prozent aus. Noch im Sommer hatte das RWI ein Wachstum von 2,3 Prozent vorausgesagt. Nach Ansicht der IWH-Forscher wird die deutsche Wirtschaft bereits im Winter wieder schrumpfen - es wäre das erste Mal seit Anfang 2009.

Hintergrund für die Entscheidung sei neben der Schuldenkrise im Euro-Raum vor allem eine Verschlechterung des internationalen Umfelds, sagte der RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn. Auch das Risiko einer weiteren Eskalation der Schuldenkrise bezeichnete der Konjunkturexperte als "beträchtlich".

So schlecht die Aussichten auch sein mögen: Eine Gefahr für den Arbeitsmarkt besteht dem RWI zufolge nicht. Die Essener Forscher sagen für 2012 sogar einen leichten Rückgang der Arbeitslosenquote um 0,3 Prozentpunkte auf 6,7 Prozent voraus. Ein Einbruch der Beschäftigung sei derzeit noch nicht in Sicht, sagte Döhrn. Auch seien für 2012 vergleichsweise hohe Lohnsteigerungen zu erwarten.

Schon Rezession oder noch Stagnation?

Große Gefahren sieht er allerdings in einem Übergreifen der Schuldenkrise auf andere Staaten des Euro-Raums wie etwa Italien oder Spanien. "Die größten Haushaltsrisiken resultieren aus dem Euro-Rettungsschirm", sagte Döhrn. Die Gefahr einer Rezession in Deutschland habe deutlich zugenommen.

Die Prognose des IWH hingegen sieht nicht ganz so düster aus: Die Forscher aus Halle gehen zwar davon aus, dass die deutsche Produktion bereits in den letzten drei Monaten dieses Jahres um voraussichtlich 0,1 Prozent abnehmen wird und auch im ersten Quartal 2012 ein Schrumpfen im gleichen Umfang zu erwarten sei. Von einer Rezession will IWH-Konjunkturchef Oliver Holtemöller dennoch nicht sprechen. Es handele sich eher um eine konjunkturelle Winterdelle. Diese werde von wesentlich stärkeren Quartalen eingerahmt.

In den vergangenen Tagenhatten bereits das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut HWWI und das Institut für Weltwirtschaft IfW ihre Prognose für 2012 auf 1,2 Prozent beziehungsweise 0,8 Prozent gesenkt.