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Konjunkturprognose der OECD:Flüchtlingshilfe könnte Wirtschaft anschieben

Lernwerkstatt für Flüchtlinge in der Bayernkaserne

Den Mindestlohn für Flüchtlinge auszusetzen, hält die OECD für falsch.

(Foto: dpa)
  • Ein stabiler Konsum und die Milliarden an zusätzlichen Staatsausgaben für Flüchtlinge könnten laut OECD in den kommenden beiden Jahren die Konjunktur in Deutschland anschieben.
  • Weltweit wird die Entwicklung dagegen langsamer verlaufen als bisher vorausgesagt, glaubt die Industrieländer-Organisation.

"Zusätzlicher Nachfrageimpuls"

Deutschlands Wirtschaft könnte im kommenden Jahr stärker wachsen als bisher vorausgesagt. Die Weltkonjunktur könnte dagegen einen Dämpfer abbekommen. Zu diesen beiden Vorhersagen kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrer aktuellsten Abschätzung der Wirtschaftsentwicklung.

Deutschland traut die OECD demnach für 2016 ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent und im Jahr darauf von 1,8 Prozent zu. Getrieben werde die Entwicklung dabei von zwei Faktoren: dem robusten Konsum und der starken Zuwanderung. Dieses Jahr soll das Plus dagegen lediglich bei 1,5 Prozent liegen.

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"Das Wirtschaftswachstum wird 2016 voraussichtlich steigen, da ein robuster Arbeitsmarkt, tiefe Zinsen und niedrige Ölpreise den privaten Verbrauch fördern", hieß es von der OECD. Auch steigende Staatsausgaben für die Integration von Flüchtlingen kurbeln demnach die Konjunktur an. "Das wird deutliche Kosten verursachen" sagte OECD-Experte Christian Kastrop. Allein die Bundesregierung will für kommendes Jahr acht Milliarden Euro für die Bewältigung der Flüchtlingskrise lockermachen. "Das ist ein zusätzlicher Nachfrageimpuls für die deutsche Wirtschaft."

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Deutschland könnte auch langfristig von der starken Zuwanderung profitieren. "Das ist ein Gewinn", sagte Kastrop weiter. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Flüchtlinge möglichst rasch einen Job erhalten. Notwendig seien vor allem eine rasche Anerkennung ausländischer Ausbildungsabschlüsse und eine gute Bildung für die Kinder von Asylbewerbern.

Eine Abschaffung des Mindestlohns, um so mehr Jobs für Asylbewerber zu schaffen, hält die OECD dagegen für falsch. Ausnahmen von der Lohnuntergrenze für Flüchtlinge waren zuletzt immer wieder von Wirtschaftsvertretern wie Airbus-Chef Tom Enders gefordert worden. "Man sollte nicht Eckpfeiler des Sozialsystems aushebeln", sagte dagegen Kastrop nun. "Das bringt Unsicherheit in den Arbeitsmarkt."

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Schwellenländer belasten Weltkonjunktur

Die weltweite Entwicklung wird der Prognose zufolge dagegen langsamer vorangehen als bisher prognostiziert. Vor allem die Konjunkturschwäche in wichtigen Schwellenländern wie Brasilien oder China drücke das Wachstum, so die OECD. Sie korrigierte deshalb ihre Erwartungen für 2016 um einen halben Prozentpunkt auf 3,3 Prozent herunter. "Die ganze Erholung ist außerordentlich mühsam, zögerlich, langwierig", so Kastrop.

© SZ.de/Reuters/sry/hgn
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