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Konjunktur:Wirtschaft zieht langsam an

Die Kurzarbeit steigt nur in Branchen, die vor Corona Probleme hatten. Insgesamt geht es wirtschaftlich wieder bergauf. Die Produktion legte im Juni um zehn Prozent zu.

Von Cerstin Gammelin, Berlin

Die Corona-bedingte Kurzarbeit nimmt ab, dagegen steigt die Kurzarbeit in Unternehmen, die schon vor der Pandemie in Schwierigkeiten waren. Das geht aus dem jüngsten Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums zur Lage der Wirtschaft hervor. Demnach gingen bis zum 25. Juni Kurzarbeitsmeldungen für 342 000 Personen ein. Im Mai waren es noch 1,1 Millionen Personen gewesen, im April acht Millionen. Während am Anfang der Pandemie die meisten Meldungen aus der Gastronomie und dem Einzelhandel gekommen seien, zeigten zuletzt "vermehrt Branchen Kurzarbeit an, die bereits vor der Krise Schwierigkeiten hatten", heißt es in dem Bericht. "Dazu zählen insbesondere die Metallbranche, der Maschinenbau und der Großhandel". Der Bericht liegt der Süddeutschen Zeitung vor.

Das Ministerium trägt jede Woche alle Daten zur Umsetzung der Hilfsprogramme, Liquiditätshilfen sowie zur Lage der Finanzen in einem Dashboard zusammen. Dem jüngsten Bericht zufolge gingen die größten Liquiditätshilfen bislang an das verarbeitende Gewerbe, den Kfz-Handel und die Wohnungswirtschaft. Zudem gab der Bund bereits sechs Bürgschaftszusagen in Höhe von insgesamt 1,51 Milliarden Euro heraus.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte am Mittwoch, er verhandele mit ungefähr 50 Unternehmen über Mittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds. (WSF). Die Zahl werde absehbar noch steigen. Am Mittwoch hatte die EU-Kommission den extra von der Bundesregierung eingerichteten Rettungsfonds für Unternehmen genehmigt. Er verfügt über insgesamt 600 Milliarden Euro an Mitteln und soll Firmen mit Krediten und Garantien versorgen, die in der Corona-Krise in Liquiditätsschwierigkeiten geraten sind.

Insgesamt geht es wirtschaftlich bergauf, wenn auch langsam. Die Industrieproduktion hat im Monatsvergleich um mehr als zehn Prozent zugelegt; ebenso die Auftragseingänge. Dabei stieg die Nachfrage im Inland stärker als die aus dem Ausland. Auch die Autobranche hat den Tiefpunkt offenbar überwunden. Zwar wurden im Juni noch 20 Prozent weniger Fahrzeuge produziert und exportiert im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, im April aber war beides fast komplett zum Erliegen gekommen. Für das gesamte Jahr 2020 rechnet die Branche mit einem Produktionsrückgang von 25 Prozent. Die Containerschifffahrt kommt wieder in Schwung, nur noch knapp zehn Prozent der weltweiten Containerflotte ist derzeit nicht gefragt.

Bestens sind auch die Auktionsergebnisse für Bundesanleihen, sie liegen sämtlich im negativen Bereich. Das bedeutet, dass die Bundesregierung keine Zinsen zahlt, sondern Geld dazu bekommt, wenn sie Schulden macht.

© SZ vom 09.07.2020

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