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Konjunktur:Exporte nehmen erneut zu

Made in Germany verkauft sich den dritten Monat in Folge besser. Fachleute warnen, dass die Aufholjagd nach der Corona-Krise noch lange Zeit dauern könnte.

Von Alexander Hagelüken

Die deutschen Exporte erholen sich nach dem Corona-Absturz weiter, aber langsamer als vorher. Das lässt sich aus den Daten des Statistischen Bundesamtes herauslesen. Demnach verkauften deutsche Unternehmen im Juli 4,7 Prozent mehr Produkte ins Ausland. Das war zwar der dritte Zuwachs in Folge. Im Mai und Juni waren die Zuwächse mit plus neun beziehungsweise plus 14,9 Prozent aber deutlich stärker. "Die Erholung geht mit vermindertem Tempo weiter", sagte Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW)

. Trotz der gestiegenen Verkäufe ins Ausland klafft noch eine große Lücke. Aktuell liegen die Ausfuhren mit 102 Milliarden Euro um zwölf Prozent unter dem Niveau vom Februar, bevor sich die Corona-Pandemie in Deutschland auszuwirken begann. Der Einbruch wichtiger Absatzmärkte, Grenzschließungen und Unterbrechungen der Lieferketten bescherten deutschen Unternehmen danach starke Verluste. Nun aber scheine die Talsohle überwunden zu sein, sagte die Vizepräsidentin des Bundesverbands Groß- und Außenhandel, Ines Kitzing. Der deutsche Außenhandel sei aber "noch lange nicht zurück auf dem Vorkrisenniveau".

Auffällig sind die Unterschiede der einzelnen Märkte. Für Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung zeigen sie, welche unterschiedlichen Fortschritte die Länder bei der Krisenbekämpfung machen: "Während der Handel mit China bereits wieder das Vorjahresniveau erreicht hat, hinkt der Handel mit den EU-Partnern noch hinterher. Besonders schlecht hat sich der Handel mit Großbritannien entwickelt. Hier dürften auch der Brexit und die anhaltende Unsicherheit über ein zukünftiges Handelsabkommen eine Rolle gespielt haben, weil sich Unternehmen neue Zulieferer suchen." In die USA exportierten deutsche Firmen im Juli 17 Prozent weniger als vor einem Jahr. Dullien rechnet damit, dass die Wirtschaftsleistung auch Ende 2021 das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreichen wird. "Die deutschen Exporte könnten sogar noch länger brauchen."

In der weiteren Entwicklung dürfte das Aufholtempo spürbar nachlassen, sagte Stefan Kooths vom IfW. Hemmnisse wie Reisebeschränkungen, die auch den Geschäftsverkehr beeinträchtigen, wie auch die Abnahme der Investitionen machten sich bei den Exporten zunehmend bemerkbar.

© SZ vom 09.09.2020

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