Konjunktur:Europa wächst wohl kräftig

Wirtschaftsstimmung im Euroraum

Im Home-Office braucht niemand schicke Schuhe. Doch nun gehen die Menschen wieder aus – und das hilft der Konjunktur.

(Foto: dpa)

Es geht viel steiler bergauf als bisher gedacht: Die EU-Kommission schätzt die Konjunktur positiv ein.

Im Zuge der Erholung von der Corona-Krise steht Europa nach Einschätzung der EU-Kommission 2021 vor dem kräftigsten Wachstum seit Jahrzehnten. Die Brüsseler Behörde erhöhte am Mittwoch ihre Wachstumsprognose für die EU und die Euro-Zone um satte 0,6 beziehungsweise 0,5 Punkte auf jeweils 4,8 Prozent. Derart kräftig hat sie ihre Prognosen seit kurz nach der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren nicht mehr nach oben angepasst. "Die europäische Wirtschaft erlebt ein starkes Comeback", sagte Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis. Laut EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni kann der Euroraum nun bereits in den letzten drei Monaten dieses Jahres und somit ein Quartal früher als gedacht zum Vorkrisen-Niveau zurückfinden.

Doch habe die Pandemie die Konjunktur natürlich zurückgeworfen, betonte der Italiener. Die nach oben revidierte Prognose spiegele die schneller als erwartete Öffnung der Wirtschaft im Frühjahr wider. Allerdings birgt die Verbreitung der Delta-Variante des Coronavirus eine Gefahr für die konjunkturelle Entwicklung: "Die Wachstumsaussichten sind mit hohen Ungewissheiten und Risiken behaftet, die insgesamt aber ausgewogen bleiben", erklärte die Brüsseler Behörde dazu. Aus Sicht der Kommission zeichnet sich angesichts des Fortschritts bei der Impfkampagne jedoch keine Rückkehr zu größeren Corona-Eindämmungsmaßen in Europa ab.

Die Wachstumsdynamik dürfte zum Jahresende etwas abflauen. Sie werde dann und auch im Jahr 2022 aber "solide" bleiben, sagte Gentiloni. Im nächsten Jahr sollte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum um 4,5 Prozent steigen und damit etwas stärker als bisher erwartet.

Auch der deutschen Wirtschaft traut die Kommission inzwischen einen kräftigeren Aufschwung zu, mit einem BIP-Anstieg von 3,6 Prozent in diesem Jahr (bisher: 3,4) und plus 4,6 Prozent 2022 (bisher: 4,1). Die besseren Aussichten begründete Gentiloni mit Fortschritten bei der Corona-Lage, die Deutschland schneller als im Frühjahr erwartet erzielt habe. Auch die günstigeren Trends beim Geschäftsklima sind berücksichtigt. Auch wenn es zu Material- und Lieferengpässen komme, dürften starke Auftragseingänge in der Industrie und am Bau einen Aufschwung in den nächsten Monaten befördern, teilte die Europäische Kommission mit.

Frankreich sagt die Kommission ein noch höheres Wachstum als Deutschland voraus: Das BIP soll 2021 um 6,0 Prozent anziehen, gefolgt von einem Plus von 4,2 Prozent im kommenden Jahr. Auch Italien dürfte demnach mit einem Plus von 5,0 Prozent im Jahr 2021 und einem Zuwachs von 4,2 Prozent im Jahr 2022 Deutschland beim Wachstum überholen. Allerdings war auch der Konjunktureinbruch im Coronajahr 2020 weit heftiger als hierzulande.

© SZ vom 08.07.2021 / Reuters
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