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Deutschland:Wirtschaft könnte Corona-Einbruch in diesem Jahr wettmachen

Corona in Deutschland: Geschlossenes Geschäft während des Lockdowns

"Bisher haben die Lockdowns bereits 250 Milliarden Euro gekostet", sagen Wirtschaftsforscher.

(Foto: Arnulf Hettrich /imago images)

Trotz des verlängerten Lockdowns erwarten Ökonomen ein starkes Wachstum. Lahmes Impfen und neue Einschränkungen werfen die Volkswirtschaft aber zurück.

Von Alexander Hagelüken

Trotz des längeren Lockdowns wächst das Lager der Optimisten. So erwarten manche Konjunkturforscher, dass die deutsche Wirtschaft dieses Jahr fast den ganzen Corona-Einbruch von 2020 wettmacht. Andere Ökonomen warnen, dass die Politik mit ihrem aktuellen Kurs Chancen verspielt.

Sebastian Dullien reiht sich unter die Optimisten ein. Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sagte am Mittwoch voraus, die deutsche Wirtschaft wachse dieses Jahr um knapp fünf Prozent. Trotz des verlängerten Lockdowns korrigiert Dullien seine Prognose vom Dezember nicht nach unten: "Medizinisch ist die Corona-Pandemie leider längst noch nicht besiegt und damit bleiben Risiken. Aber ökonomisch stehen die Zeichen nach dem harten Jahr 2020 erst einmal auf Entspannung."

Der IMK-Direktor macht dafür zum einen die Politik der Bundesregierung verantwortlich. Trotz berechtigter Kritik an der schleppenden Auszahlung mancher Hilfen stabilisiere die Regierung die Wirtschaft. Im Laufe des Jahres würden die Deutschen viel mehr konsumieren, weil Corona-Einschränkungen gelockert und sie viel Geld gespart hätten. Auch Steuersenkungen, die weitgehende Abschaffung des Soli, mehr Kindergeld und die neue Grundrente regten den Konsum an.

Optimistisch stimmt Dullien zudem der Export. Deutschland profitiere von Käufen aus Asien oder den USA. Dort entwickelt sich die Wirtschaft aufgrund größerer Erfolge in der Corona-Bekämpfung und größerer Konjunkturpakete besser. Weil die deutsche Industrie stark von der Weltwirtschaft gezogen werde, glaubt auch Gabriel Felbermayr vom Kieler Institut für Weltwirtschaft an 3,7 Prozent Wachstum in diesem Jahr.

"Wir müssen schnell impfen, um möglichen Resistenzen durch Mutationen zuvorzukommen"

Die beiden Ökonomen sind damit zuversichtlicher als andere Konjunkturforscher. Auch das Münchner Ifo-Institut gibt sich in seiner am Mittwoch veröffentlichten Prognose eher optimistisch. Es geht ebenfalls von 3,7 Prozent Wachstum aus. Allerdings verschiebe es den Aufschwung, dass sich die Corona-Krise so hinziehe. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser ist deshalb skeptischer als noch im Dezember. Die Entwicklung hänge entscheidend davon ab, wie sich die Pandemie weiterentwickle. "Sollten die Umsätze in den von der Corona-Krise betroffenen Dienstleistungsbranchen um weitere drei Monate auf dem niedrigen Niveau des ersten Quartals verharren, so würde die deutsche Wirtschaft dieses Jahr nur um 3,4 Prozent wachsen."

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat seine Prognose gleich nach unten korrigiert: auf drei Prozent, wie einige andere Institute. Zwar habe sich die Industrie vom Corona-Schock 2020 gut erholt und stütze jetzt den Aufschwung. Doch Restaurants und Geschäfte blieben ohne Perspektive. Weil der Dienstleistungssektor weitgehend stillstehe, spalte sich die Volkswirtschaft zunehmend.

"Bisher haben die Lockdowns bereits 250 Milliarden Euro gekostet", sagt IW-Direktor Michael Hüther. Er sieht einen Wettlauf zwischen Infektionen und Injektionen. "Wir müssen schnell impfen, um möglichen Resistenzen durch Mutationen zuvorzukommen." Ein langer dritter Lockdown wäre ein teurer Rückschlag für Unternehmer und Händler. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfe in den ersten drei Monaten dieses Jahres. Das dämpfe ebenso wie die Infektionsgefahr im zweiten Quartal die Erwartungen für das ganze Jahr.

Insgesamt hinterlässt die Pandemie brutale Spuren in der deutschen Volkswirtschaft. Von 2020 bis 2022 kostet sie 400 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung, schätzt das Ifo-Institut. Die Arbeitslosigkeit stieg vergangenes Jahr um mehrere Hunderttausend Menschen auf 2,7 Millionen - und werde 2022 immer noch bei 2,44 Millionen liegen.

© SZ
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