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Konjunktur:Deutscher Staat erzielt Überschuss von 18,5 Milliarden Euro

  • Dank hoher Beschäftigung und steigender Löhne hat der deutsche Staat im ersten Halbjahr einen Haushaltsüberschuss von 18,5 Milliarden Euro erwirtschaftet.
  • Knapp die Hälfte des Überschusses entfiel auf den Bund: Er schaffte ein Plus von 9,7 Milliarden Euro.
  • Das Bruttoinlandsprodukt stieg im zweiten Quartal um 0,4 Prozent - doppelt so viel wie Ökonomen erwartet hatten.

Die gute Konjunktur hat dem deutschen Staat im ersten Halbjahr einen Haushaltsüberschuss in Milliardenhöhe beschert. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen haben zusammen 18,5 Milliarden Euro mehr eingenommen, als sie ausgaben, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das entspricht einem Überschuss von 1,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Zwar lassen sich von den Halbjahresergebnissen nur begrenzt Rückschlüsse auf das Jahresergebnis ziehen, da der Finanzierungssaldo des Staates in der zweiten Jahreshälfte strukturbedingt regelmäßig niedriger ausfällt - trotzdem sieht es momentan so aus, als könnte Deutschland 2016 das dritte Jahr in Folge einen Überschuss im Staatsetat erzielen. "Die Einnahmen laufen gut, die Zinskosten sinken weiter", sagt Steuerschätzer Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). "Auch im Gesamtjahr dürfte es einen Überschuss geben."

Knapp die Hälfte des Gesamtüberschusses entfiel im ersten Halbjahr 2016 auf den Bund: Er schaffte in den ersten sechs Monaten ein Plus von 9,7 Milliarden Euro. Die Länder erzielten einen Überschuss von 0,4 Milliarden Euro, die Gemeinden von 2,5 Milliarden Euro. Die Sozialversicherung nahm 5,9 Milliarden Euro ein.

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SZ-Grafik

Hohe Beschäftigung und steigende Löhne sichern Einnahmen

Im vergangenen Gesamtjahr verzeichnete Deutschland mit 19,4 Milliarden Euro den höchsten Überschuss seit der Wiedervereinigung. Er fiel mehr als doppelt so hoch aus wie im Jahr 2014. Die anhaltend guten Haushaltszahlen resultieren aus der guten Konjunktur mit hoher Beschäftigung und steigenden Löhnen, die wiederum höhere Einnahmen bei Steuern und Beiträgen nach sich ziehen.

Der ebenfalls aus Beschäftigung und Löhnen resultierende Zuwachs beim Konsum und die steigenden Exporte haben auch das Bruttoinlandsprodukt zwischen April und Juni wachsen lassen. Es stieg um 0,4 Prozent zum Vorjahresquartal, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist doppelt so viel wie Ökonomen erwartet hatten. Von Januar bis März war Europas größte Volkswirtschaft sogar um 0,7 Prozent gewachsen, wozu Sondereffekte wie der milde Winter beitrugen, durch den es am Bau nicht zu den sonst üblichen Produktionsausfällen kam.

Die Bundesbank rechnet ungeachtet der Verunsicherung durch das Brexit-Votum der Briten auch im laufenden Sommerquartal mit einem Wachstum. Die Bundesregierung erwartet für das Jahr 2016 insgesamt ein Plus von 1,7 Prozent - das wäre genauso viel wie im vergangenen Jahr.

© SZ.de/rtr/vit/jps

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