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Kommentar:Der Untergang ist abgesagt

aha 16:9

Alexander Hagelüken setzt darauf, dass Restaurants und Geschäfte offen bleiben. Illustration: Bernd Schifferdecker

Die Deutschen sollten sich nicht in die Irre führen lassen: Entgegen allen Katastrophen-Prophezeiungen wächst die deutsche Wirtschaft dieses Jahr stark.

Von Alexander Hagelüken

Wer durch sein Stadtviertel oder Dorf geht, sieht Deutschland öffnen. Läden und Restaurants machen Lust darauf, Geld auszugeben. Und das ist nur ein Grund, warum die Bundesrepublik einen starken Aufschwung erleben dürfte. Ja, es gibt Risiken. Aber die sollten sich die generell angespannten Deutschen nicht zu sehr zu Herzen nehmen, sondern lieber das Ende der Wirtschaftskrise genießen.

Die Konjunkturinstitute von DIW bis RWI sind sich einig, dass die Wirtschaft dieses Jahr um drei bis vier Prozent wächst. Damit wäre der Corona-Einbruch weitgehend aufgeholt. Ein bemerkenswerter Kontrast zu den Untergangsprognosen, die selbsternannte Fachleute seit Ausbruch der Pandemie streuen. Was war da alles zu hören! Etwa, dass die staatlichen Maßnahmen gegen Infektionen zwangsläufig die Wirtschaft zugrunde richten. Doom-Propheten verbanden solche Szenarien gerne damit, die Gesundheitsgefahren der Pandemie zu leugnen.

Mancher dieser Experten in den sozialen Netzwerken firmiert als Wirtschaftsprofessor. Doch selbst so ein Titel, ob redlich oder dubios erworben, versagt als Impfstoff gegen Dummheiten. Von Untergang jedenfalls ist weit und breit nichts zu sehen. Die 30 Dax-Firmen erzielten in den ersten drei Monaten des Jahres so viel Gewinn wie noch nie. Massenentlassungen blieben Deutschland erspart. Im Mai gab es 400 000 Arbeitslose mehr als vor Corona. Der starke Wirtschaftseinbruch hätte weit Schlimmeres befürchten lassen. Das wendete die Regierung ab, durch Firmenhilfen und Zuschüsse zur Kurzarbeit.

Trotz des Corona-Schocks präsentiert sich die Volkswirtschaft seit Monaten stabil. Das zeigten auch die ökonomischen Daten. Skeptische Bürger glaubten sie nicht. Sie sahen den Modeladen und die Pizzeria um die Ecke schließen. Ermutigt durch vermeintliche Fachvorträge auf Youtube, rechneten sie dies dann auf alle Firmen hoch. Ergebnis: Morgen ist die ganze Wirtschaft pleite!

Diese selbstgebastelte Prognose ging erwartbar schief. Ja, für Gastgewerbe und Geschäfte war es hart. Doch zum einen half ihnen der Staat. Und zum anderen stehen die geschlossenen Branchen für nur etwa fünf Prozent der Volkswirtschaft. Im Handwerk oder am Bau läuft es schon lange wieder. Die Industrie freut sich über den höchsten Auftragsbestand, seit die Statistiker diesen Wert berechnen. Die deutschen Unternehmen dürften dieses Jahr zehn Prozent mehr Waren exportieren als 2020.

Für einen Tsunami an Firmenpleiten gibt es keine Anzeichen

Konjunkturelle Risiken? Gibt es natürlich immer. Die staatlichen Hilfen und die ausgesetzte Anzeigepflicht führen dazu, dass einige Betriebe später pleitegehen, als dies sonst der Fall wäre. Das wird einige Jobs kosten, ist jedoch nichts Ungewöhnliches. In jeder Wirtschaftskrise, so zuletzt 2008/2009, kommt es zu mehr Insolvenzen. Für einen Tsunami an Firmenpleiten gibt es keine Anzeichen.

Eine andere Gefahr ist, dass die Lockerungen oder neue Virusmutationen die Infektionen hochtreiben und doch noch mal Einschränkungen erfordern. Dagegen kann jeder Bürger etwas tun, indem er vorsichtig bleibt. Und indem er sich seriös informiert und deshalb zur Impfung geht, statt den Fake-News-Schleudern zu glauben, die schon den Untergang der Wirtschaft voraussagten.

Ja, auch die Lieferengpässe bei Chips und anderen Vorprodukten sind unangenehm. Es spricht jedoch einiges dafür, dass dies in einigen Wochen überwunden ist. In jedem Fall wird dieses Problem den Aufschwung nicht verhindern, sondern nur verzögern.

Es bleibt dabei, dass Deutschland gerade gut aus der zweitschwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit kommt. Darüber könnten sich die Menschen freuen, statt gleich wieder auf das nächste Horrorszenario hereinzufallen.

© SZ
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