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Konjunktur:Chinas Wirtschaft wächst - trotz Corona

Fast wie früher: China hat das Coronavirus weitgehend in den Griff bekommen, davon profitieren das öffentliche Leben und die Wirtschaft.

(Foto: AP)

Ein Plus von 2,3 Prozent: Es ist das schlechteste Ergebnis seit 1976 und doch ein Erfolg. Als einzige große Volkswirtschaft legt Chinas Wirtschaftsleistung 2020 zu.

Von Christoph Giesen, Peking

Chinas Wirtschaft wächst. Bis vor Kurzem war das eine Selbstverständlichkeit, in Corona-Zeiten ist es jedoch die Ausnahme von der Regel: Trotz der Belastungen durch die Pandemie hat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im abgelaufenen Jahr um 2,3 Prozent zugelegt, wie das Pekinger Statistikamt am Montag mitteilte. Das ist zwar das schlechteste Abschneiden seit 1976 - 2019 hatte es noch zu einem Plus von etwa sechs Prozent gereicht - dennoch steht die Volksrepublik ökonomisch deutlich besser da, als alle anderen großen Volkswirtschaften der Erde. Deutschlands Wirtschaftsleistung etwa ist 2020 nach Schätzung des Statistischen Bundesamts um fünf Prozent eingebrochen.

Der Volksrepublik ist es gelungen, das Coronavirus seit dem Sommer weitestgehend in den Griff zu bekommen. Nur noch vereinzelt treten Infektionen im Land auf, die die Behörden sofort mit harten Maßnahmen wie Massentests und lokalen Lockdowns eindämmen. Laut der offiziellen Zahlen betrug Chinas Wachstum so in den letzten drei Monaten 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Das sind sehr starke Zahlen", sagte Analyst Tommy Xie von der Oversea-Chinese Banking Corporation (OCBC) in Singapur.

Treiber der chinesischen Wirtschaftsleistung waren zuletzt die starken Exporte. Wie die Pekinger Zollbehörde vergangene Woche mitteilte, waren allein im Dezember die Ausfuhren im Vorjahresvergleich um 18,1 Prozent gestiegen. Die Importe hatten um 6,5 Prozent zugelegt. "Die chinesische Wirtschaftsentwicklung 2020 bot sicher einen der wenigen Lichtblicke in der Welt", sagte Max Zenglein, Chefökonom des Mercator Institute for China Studies (Merics) in Berlin. Deutschen Unternehmen habe der Aufschwung in der Volksrepublik geholfen, Einbrüche in anderen Märkten zu kompensieren. Die starken Exportzahlen seien damit zu erklären, dass sich die chinesische Wirtschaft schnell der Nachfrage in anderen Staaten angepasst habe. So sei viel Elektronik für die Einrichtung von Home-Office-Arbeitsplätzen und medizinische Schutzausrüstung aus China geliefert worden. Zudem hat sich in den vergangenen Monaten durch ein Konjunkturprogramm die Binnennachfrage erholt.

Für das laufende Jahr sagen Ökonomen China ein noch deutlich stärkeres Wachstum voraus. "Wir denken, dass die Aussichten für die nahe Zukunft gut bleiben", sagte etwa Julian Evans-Pritchard von Capital Economics. "Wir sehen noch viel Potenzial für den Konsum, da die Haushalte ihre im vergangenen Jahr angehäuften Ersparnisse abbauen werden." Der Internationale Währungsfonds (IWF) etwa rechnet für 2021 mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung von 7,9 Prozent. Davon könnten auch andere Staaten profitieren: "Läuft die chinesische Produktion auf Hochtouren, braucht es Maschinen, die etwa aus Deutschland oder Japan kommen", sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. "Die gute chinesische Einkommenssituation macht den Kauf teurer Autos möglich, auch davon wird besonders Deutschland profitieren." Gehe es der deutschen Wirtschaft besser, schiebe das auch die Konjunktur in der gesamten Euro-Zone an. "Dies macht deutlich: China wird zum globalen konjunkturellen Zugpferd des laufenden Jahres."

Weitere Impulse werden durch den neuen Fünfjahresplan erwartet, der auf dem Nationalen Volkskongress im März verabschiedet werden soll. Der Plan setzt dort an, wo China in den vergangenen Jahren die größten Rückschläge hinnehmen musste: Der desaströse Handels- und Technologiekrieg mit den Vereinigten Staaten hat der Führung in Peking die Abhängigkeit vom Ausland schmerzlich bewusstgemacht. Wie aus ersten Mitteilungen der Kommunistischen Partei zum neuen Plan hervorgeht, soll ein neuer Wirtschaftskurs eingeschlagen werden: Die heimische Nachfrage und eigene Innovation sollen noch stärker gefördert werden. Die Volksrepublik will sich so unabhängiger von den USA und dem Rest der Welt machen.

© SZ/sry
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