Geplante Verstaatlichung von YPF Spanien bestellt argentinischen Botschafter ein

Argentinien enteignet den Ölkonzern YPF und löst diplomatischen Streit aus. Spanien, Sitz des Mutterkonzerns Repsol, geht in die Offensive: Die Regierung zitiert den argentinischen Botschafter in Madrid zu sich. Ministerpräsident Rajoy sucht bei seinem Besuch in Lateinamerika nach Verbündeten.

In der spanischen Regierung ist man empört über die geplante Verstaatlichung einer Tochter des heimischen Ölkonzerns Repsol durch Argentinien. Als Reaktion auf die Ankündigung der argentinischen Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner hat Madrid den Botschafter des südamerikanischen Landes einbestellt. Der Mutterkonzern Repsol sitzt in Spanien.

Raffinerie von Repsol YPF im argentinischen Patagonien.

(Foto: BLOOMBERG NEWS)

Die von der Regierung in Buenos Aires beschlossene Mehrheitsübername des argentinischen Ablegers YPF mache Gespräche erforderlich, sagte ein Sprecher des spanischen Außenministeriums. Fernández de Kirchner hatte zuvor mitgeteilt, dass der Staat die Aktienmehrheit von YPF übernehmen wird. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde dem Kongress bereits vorgelegt.

Die Präsidentin hatte YPF vorgeworfen, zu wenig Öl zu fördern, um die Bedürfnisse des argentinischen Wirtschaftswachstums zu befriedigen. Der Konzern hatte weitere Investitionen mit Verweis auf die Interessen der Aktionäre verweigert. Die geplante Übernahme begründete Fernández de Kirchner mit dem öffentlichen Interesse an der Ölförderung. Argentinien sei eines der wenigen Länder auf der Welt, das seine Vorkommen nicht selbst verwalte.

Repsol kündigte eine Entschädigungsforderung an. Deren Grundlage soll sein, dass YPF 18 Milliarden Dollar wert sei.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy werde nach Angaben der staatlichen spanischen Nachrichtenagentur EFE noch diesen Dienstag nach Mexiko und Kolumbien aufbrechen. Im mexikanischen Badeort Puerto Vallarta an der Pazifikküste will Rajoy in einer Rede vor dem Weltwirtschaftsforum für Lateinamerika die wirtschaftlichen Interessen Spaniens auf dem Subkontinent verteidigen.

Rajoy will die Präsidenten Mexikos, Felipe Calderón, und Guatemalas, Otto Pérez Molina, treffen. Letzterer hatte Spanien im Streit mit Argentinien unterstützt und Fernández de Kirchner aufgefordert, ihre "wenig verantwortungsvolle" Entscheidung zur Enteignung der Repsol-Tochter rückgängig zu machen.

Die Europäische Union unterstützt Spanien: Kommissionspräsident José Manuel Barroso forderte Argentinien auf, die mit dem Land geschlossenen Abkommen zum Schutz von Investitionen einzuhalten.