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Kommunikation:Abgekabelt

Telefon mit Wählscheibe

Blick ins Museum: Das Kabeltelefon ist Vergangenheit.

(Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Die Deutschen telefonieren mehr mit ihren Smartphones und Handys als vom Festnetztelefon. Das zeigt eine Auswertung der Bundesnetzagentur.

Das Handy hat das Festnetztelefon abgehängt: Erstmals haben die Menschen in Deutschland 2018 mehr vom Mobiltelefon aus angerufen als vom stationären Apparat zu Hause. Das zeigt eine Auswertung der Bundesnetzagentur. Demnach zählte die Bonner Behörde 119 Milliarden abgehende Gesprächsminuten von Smartphone und Handy. 107 Milliarden Gesprächsminuten waren es im gleichen Zeitraum vom Festnetzapparat - vor vier Jahren dagegen noch 150 Milliarden.

Die Zahlen ergeben sich aus dem Jahresbericht der Bundesnetzagentur, der der dpa vorliegt. Bemerkenswert ist darin außerdem, dass deutsche Urlauber auch mehr aus dem EU-Ausland zu Hause anrufen: etwa 2,9 Milliarden Gesprächsminuten, ein Anstieg um 14 Prozent. Bis zum 15. Juni 2017 mussten Handynutzer zum Teil teure Roaming-Gebühren zahlen, wenn sie mit ihrem deutschen Mobilfunkvertrag in fremden Netzen telefonierten oder im Internet surften. Seitdem sind die Gebühren auf EU-Ebene entfallen. Entsprechend verdoppelte sich 2018 auch das Datenvolumen von deutschen Nutzern im Ausland auf 66,4 Millionen Gigabyte.

Zukünftig werden auch Gespräche und Kurznachrichten per SMS aus deutschen Netzen ins EU-Ausland billiger. Seit Mittwoch gilt eine Preisobergrenze von sechs Cent pro Minute je SMS und 19 Cent pro Minute bei Anrufen, egal ob vom Festnetz- oder Mobilanschluss. Allerdings ist die Zahl jener Textnachrichten deutlich zurückgegangen. Waren es im Jahr 2012 noch insgesamt knapp 60 Milliarden SMS, zählte die Netzagentur für 2018 nur noch 8,9 Milliarden der Mitteilungen - das entspricht fünf Kurznachrichten pro SIM-Karte im Monat. Der Rückgang dürfte vor allem an der Konkurrenz durch kostenlose Messengerdienste wie Whatsapp liegen.

Warum die Zahlen für Mobiltelefonie so stark gestiegen sind, lässt sich nur vermuten. Denn einerseits wird immer wieder kritisch über das Maß an elektromagnetischer Strahlung, das Handys abgeben, diskutiert. Andererseits sind Menschen heute häufiger im Berufsalltag auf mobile Kommunikation angewiesen oder verbringen generell mehr Zeit am Smartphone.

Gerade in der Arbeitswelt wird sich das noch verschärfen. Aus dem Jahresbericht der Netzagentur ergibt sich nämlich auch, dass im vergangenen Jahr 23,1 Millionen SIM-Karten in Fabriken und Werkstätten eingesetzt wurden. Sie ermöglichen den Datenaustausch zwischen Maschinen, was mit dem neuen 5G-Mobilfunkstandard noch schneller möglich sein wird. Im Jahr 2017 waren das noch 5,5 Millionen SIM-Karten weniger.

Weitere 137 Millionen SIM-Karten verteilen sich auf Privatnutzer, im Schnitt 1,7 pro deutschem Einwohner, und zwei Millionen mehr als im Vorjahr. Allerdings, so die Netzagentur, werden viele der Karten nicht regelmäßig genutzt, sie stecken in Zweit- oder Drittgeräten.